Die in Tschechien mitregierende SPD bereitet Protestaktionen gegen den Sudetendeutschen Tag vor, der in diesem Jahr in Brünn stattfinden wird. Damit verschärft sich eine bereits seit Monaten geführte Debatte über Erinnerungspolitik, Versöhnung und den Umgang mit öffentlicher Förderung.

Die, zusammen mit ANO und den Motoristen regierende SPD bereitet Protestaktionen gegen den Sudetendeutschen Tag in Brünn (Brno) vor. Neben einer Petition kündigte die Partei Kundgebungen und einen Gedenkmarsch während der Veranstaltung an. Der 76. Sudetendeutsche Tag wird vom 22. bis 25. Mai in Brünn stattfinden. Es ist das erste Mal, dass das jährliche Treffen der Sudetendeutschen Landsmannschaften auf tschechischem Boden stattfindet. Eingeladen wurde der Organisator, der Bundesverband Sudetendeutsche Landsmannschaft e. V. von den Organisatoren des Festivals Meeting Brno. Während diese das Treffen als Beitrag zum tschechisch-deutschen Dialog verstehen, warnen Gegner der Veranstaltung vor einer Relativierung der Geschichte. 

Proteste und politische Drohungen

Nach Angaben der SPD-Abgeordneten Lucie Šafránková hat die Partei eine Petition gegen die Abhaltung des Sudetendeutschen Tages 2026 gestartet. Zusätzlich sind für Ende April eine Kundgebung in Brünn sowie für den 24. Mai ein Gedenkmarsch für die Opfer des Zweiten Weltkriegs geplant. Die SPD begründet ihr Vorgehen mit der Geschichte der Stadt Brünn, die während der NS-Besatzung von Repressionen, Hinrichtungen und Vertreibungen betroffen war. Eine Veranstaltung sudetendeutscher Organisationen sei dort aus Sicht der SPD „inakzeptabel und zutiefst unsensibel“. Darüber hinaus kritisierte die Partei auch die Rolle von Meeting Brno. Sollte auch nur ein Teil öffentlicher Fördermittel für den Kongress verwendet werden, wolle man die Rückforderung sämtlicher Subventionen verlangen. Die SPD verwies dabei auf frühere Angaben, wonach die Organisation in den vergangenen Jahren Millionenbeträge von der Stadt Brünn und der Region Südmähren erhalten habe. Das Geld solle nach Auffassung der Partei ausschließlich kulturellen und sozialen Projekten dienen und nicht Veranstaltungen, die gesellschaftliche Spannungen vertieften.

Einordnung im Kontext der Versöhnungsdebatte

Der Bundesverband Sudetendeutsche Landsmannschaft e. V. hatte im vergangenen Herbst erstmals angekündigt, seine jährliche Tagung in Brünn abhalten zu wollen. Der Vorsitzende der sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, bezeichnete das Vorhaben als logischen Schritt in der harmonischen Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen. Auch die Organisatoren von Meeting Brno verwiesen auf ihre langjährige Arbeit zur Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte und zur Förderung des deutsch-tschechischen Dialogs. Dem vorausgegangen waren in den vergangenen Jahren symbolische Schritte auf beiden Seiten, darunter der Verzicht der Sudetendeutschen Landsmannschaften, die sich im Bundesverband organisieren, auf frühere Forderungen nach Rückgabe beschlagnahmten Eigentums sowie tschechische Gesten des Bedauerns über das Leid der nach dem Krieg vertriebenen Deutschen. Damals wurden rund drei Millionen Deutsche aus der ehemaligen Tschechoslowakei deportiert.

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