Das einstige Anwesen von Heinrich Schicht ging zum Startgebot über den Tisch. Das denkmalgeschützte Gebäude ist vor allem für seine Geschichte interessant.

Eine der edelsten Vorkriegsvillen Tschechiens wurde in einer elektronischen Auktion verkauft. Für den neobarocken Bau am Hang des Elbtals in Aussig (Ústí nad Labem) zahlt eine Firma mit Sitz im Bezirk Vysočina 15,9 Millionen Kronen (rund 600.000 Euro), teilte das Amt zur Vertretung des Staates in Eigentumsfragen ÚZSVM mit. Zur Villa gehört zudem ein zwei Hektar großes Grundstück und ein Nebengebäude.

Lange Zeit unverkäuflich

Um an der Auktion teilzunehmen, hatten zwei Interessenten die nötige Kaution hinterlegt. An der Auktion beteiligte sich am Ende aber nur einer der beiden, der die Immobilie zum Mindestgebot erwarb. Für die Villa, dessen einstiger Eigentümer Heinrich Schicht den Kosmetik- und Lebensmittelkonzern Schicht führte, war es bereits die zweite Auktion. An einer ersten im November letzten Jahres, bei der das Startgebot noch 150.000 Euro höher war, hatte sich niemand beteiligt.

Heinrich Schicht hatte die Villa vor knapp 100 Jahren in ruhiger Lage aber in Sichtnähe zu seinem Werk auf der anderen Elbseite im Stadtteil Schreckenstein (Střekov) bauen lassen. Direkt gegenüber befindet sich die berühmte Burg Schreckenstein und unterhalb das große Masaryk-Wehr. Heinrich Schicht war bereits in dritter Generation Direktor der Schicht-Werke. Legendär ist in Tschechien bis heute die Seife mit dem Hirsch als Logo. Als Heinrich die Firma mit Sitz in Schreckenstein 1907 von seinem früh verstorbenen Vater Johann übernahm, war sie auf dem Weg zu einem multinationalen Konzern. Am Ende stand in den 1920er Jahren die Fusion zum niederländisch-britisch-tschechoslowakischen Konzern Unilever, den es noch heute gibt.

Nobles Studentenwohnheim

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde die Villa konfisziert. In den 1990er Jahren nutzte sie die Universität in Aussig als Studentenwohnheim. Seit 2005 stand das Gebäude leer. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die Villa zu verkaufen, übergab die Universität das Gebäude 2019 an die staatliche Behörde.

„Bis der neue Eigentümer die Villa nutzen kann, wird noch einige Zeit vergehen“, sagt Michaela Tesařová, Sprecherin vom ÚZSVM. Die Behörde wird umgehend den Kaufvertrag vorbereiten. Nach Unterzeichnung durch beide Seiten, muss dieser aber noch vom Kulturministerium abgesegnet werden. Denn das Gebäude steht seit drei Jahren unter Denkmalschutz. Der neue Eigentümer kann also nicht nach Belieben mit seinem Besitz umgehen. Erst wenn das Ministerium dem Verkauf zugestimmt hat, muss der Kaufpreis beglichen werden.

Hohe Kosten durch Denkmalschutz

Über die Pläne mit der Villa ist noch nichts bekannt. In der Vergangenheit hatte sich immer wieder Interessenten gefunden, die hier ein Sanatorium oder Museum einrichten wollten. Daraus wurde jedoch nie etwas. Auch staatliche Organisationen, die den Bau hätten zum Nulltarif bekommen können, ließen die Finger davon. Das Problem sind die hohen Kosten, die für die Sanierung anfallen werden. Die Villa ist zwar noch vergleichweise gut in Schuss, wurde aber seit ihrem Bau nie grundlegend saniert. Dazu kommen nicht denkmalgerechte Einbauten in der Zeit, als sie als Wohnheim genutzt wurde. Im Originalzustand erhalten sind unter anderem noch fast alle Fußböden, Stuckverzierungen, Treppengeländer, Einbauschränke, Tapeten, die Heizung, die aber nicht mehr funktioniert, Badewannen, ein Aufzug sowie alle Fenster. Von der Innenausstattung ist indes nichts mehr erhalten.

Einen ausführlichen Beitrag zu der Schicht-Villa finden Sie in der aktuellen Ausgabe des LandesEcho vom Januar 2021.