In Berlin fordert eine Bürgerinitiative die Enteignung von Wohnungsgesellschaften und in Prag dachten die regierenden Piraten laut über eine Steuer für leer stehenden Wohnraum nach. Wie in Berlin wird auch in Prag die Wohnungssuche schnell zu Qual.

2018 war ich für ein Auslandssemester in Prag. Kaum hatte ich die Zusage, verfiel ich schon in Panik: Wo sollte ich nur wohnen? Ich hatte mich gegen ein Studentenwohnheim entschieden, weil mich Berichte ehemaliger Auslandsstudenten abgeschreckt hatten. Dort war die Rede von kaputter Heizung, kaltem Wasser, dem unausstehlichem und nicht austauschbarem Zimmergenossen und schlechter Verkehrsanbindung.

Das wollte ich mir ersparen und so meldete ich mich auf einer Internetseite an, um ein WG-Zimmer zu finden. Es gab sehr viele Angebote. Aber auch viele Angebote, die mein Portemonnaie nicht hergaben. Ich schrieb also die Vermieter an, die noch übrig geblieben waren, viele antworteten mir gar nicht erst. Dieses Phänomen kannte ich aus der Wohnungssuche in meiner Heimatstadt Düsseldorf.

Von den wenigen die mir antworteten war die frustrierende Antwort meist, dass sie schon einen Nachmieter in Aussicht hätten und nur noch Formalia geklärt werden müssten. Sollte es nichts werden, würden sie aber auf mich zurückkommen.

Doch dann endlich gab es eine positive Antwort! Noch ein Telefonat und ich hatte ein Zimmer in einer Wohnung, die einem tschechischen Paar gehörte, die in Deutschland leben und arbeiten. Die Wohnung teilte ich mit zwei Mitbewohnern, die auch für ein Auslandssemester in Prag waren. Die Anbindung war perfekt und zur Ausstattung gehörte sogar eine Waschmaschine und eine Spülmaschine, der Traum eines Studierenden! Der Wohn- und Küchenraum gab es sogar her, dass ich Freunde für gemeinsame Abende zu mir einladen konnte.

Als es nun für mich wieder nach Prag ging, stellte ich mich auf eine erneut lange und verdrießliche Suche ein. In die Wohnung vom letzten Jahr konnte ich leider nicht, weil die Vermieter sich nur noch Langzeitmieter suchten. Wie schon beim letzten Mal machte ich mich ab Dezember auf die Suche nach einer Unterkunft.

Blogbild1 Flur web Aschhoff

Aber dieses Jahr kam es schlimmer als beim letzten Mal! Die Wohnungen scheinen sehr auf den Studienzyklus fokussiert zu sein. Da das Sommersemester in Prag bereits im Februar beginnt, gab es zu diesem Zeitpunkt viele freie Wohnungen und Zimmer. Ich zog aber erst im April nach Prag, für dieses Einzugsdatum gab es kaum Angebote. Erst recht keine bezahlbaren in der Nähe einer Straßenbahn- oder Metrostation.

Um zu meinen vier Wänden zu kommen, musste ich auf Airbnb zurückgreifen. Nun habe ich ein  kleines aber solides Zimmer mit Gemeinschaftsküche. Eine Spülmaschine gibt es diesmal erwartungsgemäß nicht, aber ich bin froh eine Waschmaschine vor Ort zu haben und fußläufig zu einer Metrostation zu kommen. Außerdem habe ich es nah ins Grüne. Nicht weit vom Haus beginnt das Naturreservat Divoká Šárka.

Während meines Auslandssemesters 2018 ließ sich die Miete übrigens gerade so mit dem Erasmus-Stipendium decken, das ich damals wie heute erhalte. Der Mietpreis diesmal ist höher als beim letzten Mal, obwohl meine Unterkunft dieses Jahr weniger zu bieten hat. Für die Gesamtmiete für meinen viermonatigen Aufenthalt reicht das Stipendium diesmal nicht. Leider sind die EU-Richtlinien für das Stipendium den rasant wachsenden Mietpreisen Prags noch nicht nachgekommen.


Das könnte Sie auch interessieren:

LandesBlog: Unglaublich stille Sehnsucht nach Prag

Auch nach zehn Jahren holt der Charme der tschechischen Hauptstadt unsere Autorin immer wieder ein. Überall in der Welt.