Nachdem sich Tschechien schon von den meisten Corona-Maßnahmen verabschiedet hatte, ist die Pandemie wieder zurück im öffentlichen Leben angekommen: Lokale Ausbrüche, das Ende der Fußballliga und Verwirrung über neue Corona-Maßnahmen.

Ende Juni zelebrierte Tschechien auf der Karlsbrücke mit einem 515 Meter langen Bankett das „Ende von Corona“ in Tschechien. Die weitgehende Abschaffung der Maskenpflicht am 1. Juli war dafür ein willkommener und passender Anlass. War die Maske doch das universale Symbol für den Kampf gegen die Pandemie, den Tschechien verhältnismäßig früh aufnahm und eine umfassende Maskenpflicht einführte, nicht nur im Supermarkt und im ÖPNV, sondern für alle Wege außerhalb der eigenen vier Wände. Selbst um den Müll rauszubringen, trugen die Tschechen eine Maske, und das mit Stolz und ohne jegliches Murren. Es folgten mehrere Wellen, nicht des Virus, sondern der Lockerungen. Und schließlich: Maske weg – Pandemie vorbei.

Die Corona-Zahlen boten im Juni noch Anlass zu Optimismus, doch auch da machte sich schon ein Unbehagen breit: Kann das wirklich schon das Ende sein? Schließlich ist noch kein patentiertes Kraut gegen die Lungenkrankheit gewachsen. Zu der Zeit war das Virus schon in der mährisch-schlesischen Bergbauregion Karwin (Karviná) ausgebrochen, das sich im Laufe der Zeit zu einer Art tschechisches Gütersloh entwickelte. Ähnlich wie in Schlachtbetrieben und Kühlhäusern scheint sich das Virus unter Tage besonders wohlzufühlen. Zunächst schien dieser lokale Ausbruch unter Kontrolle, doch allmählich breitete sich das Virus auch in der umliegenden Region aus. Es entstanden landesweit neue Infektionsherde, deren Ursprung sich teilweise nicht mehr zurückverfolgen ließ.

Zu einem dieser Corona-Hotspots entwickelte sich auch der Prager Nachtclub „Techtle Mechtle“, wo sich mehr als 100 Feierlustige – darunter ein Dutzend Fußballer und andere Sportler – mit dem Coronavirus infizierten. Angeblich hatten viele aus einem Glas getrunken. Einige Fußballer steckten wiederum ihre Mitspieler beim Training an, mehrere Mannschaften mussten in Quarantäne. Schließlich beendete die tschechische Fortuna-Liga aufgrund der Corona-Situation ihre Saison vorzeitig und verzichtete auf die Relegation. Absteiger gibt es zwar keine, aber der FK Dukla Praha, der eigentlich in die erste Liga aufgestiegen wäre, muss sich weiter mit den Zweitligisten begnügen. Corona vs. Tschechien – 1:0. Aber wohl eher ein Eigentor.

Meisterstück der missglückten Kommunikation

Neue Maßnahmen – und auch die Masken – mussten wieder her. Irgendwie schienen das die Tschechen aber schon geahnt zu haben, denn offenbar hatten sie ihre selbstgenähten Stoffmasken noch nicht für andere stark von der Pandemie getroffene Länder in der Altkleidertonne versenkt. Jedenfalls ist bislang nichts über neue Nähaktionen bekannt geworden.

Bei der Ankündigung der neuen, landesweit geltenden Maßnahmen führte die tschechische Regierung aber wieder einmal vor, wie man es besser nicht macht. Der tschechische Blogger Karel Paták fasste am vergangenen Freitag auf seiner satirischen Facebook-Seite „Visegradský jezdec“ („Der Visegrad-Reiter“) zusammen, wie die tschechische Regierung ihre Bürger – und nicht zuletzt Journalisten – verwirrte: „Der Gesundheitsminister verkündete gestern, dass er morgen verkünden wird, was ab Montag gilt, aber heute verkündete der Premier, dass der Gesundheitsminister schon heute verkünden wird, was ab morgen gilt. Währenddessen verkündete der Innenminister, dass die Leute nicht auf die Verkündigung des Gesundheitsministers warten sollten, sondern schon heute befolgen sollten, was der Gesundheitsminister morgen verkünden wird, was ab Montag gilt, wobei er aber schon heute schon verkünden wird, dass es schon ab morgen gilt.“ Alles klar?

Grund für Verwirrung bot nicht nur der Zeitpunkt, ab wann welche Maßnahmen gültig sein sollen, sondern auch die Maßnahmen selbst. Ein Beispiel: Bei Indoor-Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen muss ab sofort eine Maske getragen werden. Das gilt aber nur für organisierte Veranstaltungen. In einer überfüllten Bar muss also keine Maske getragen werden. Wenn dort eine Band spielt oder ein Konzert stattfindet, dann schon. Zudem sind mehrere Regionen zu einer Maskenpflicht in medizinischen Einrichtungen zurückgekehrt, in der Mährisch-Schlesischen Region gilt die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch im ÖPNV. Fährt man aber aus der Mährisch-Schlesischen Region, beispielsweise aus Ostrau (Ostrava) mit einem Schnellzug nach Prag, gilt dort wiederum keine Maskenpflicht.

Traue keiner Statistik…

Vor knapp zwei Wochen hatten Estland und Lettland ihre Reisewarnung für Tschechien bereits aufgehoben. Bis dahin mussten Rückkehrer aus Tschechien für zwei Wochen in Quarantäne. Wohl aufgrund der gestiegenen Zahl der Neuinfektionen nahmen die beiden Länder das wieder zurück. Tschechien hat im Vergleich zu allen seinen umliegenden Ländern den stärksten Zuwachs an Neuinfektionen, die Zahl der aktiven Infektionen lag in den letzten Tagen mit etwas über 5.000 Fällen so hoch wie nie. Gestern teilte Gesundheitsminister Adam Vojtěch aber mit, dass diese Zahl gar nicht stimme, die Gesundheitsämter hätten es in der letzten Zeit nicht geschafft, die Zahlen der inzwischen schon wieder Genesenen nachzumelden. Nun hat das Gesundheitsministerium seine offizielle Statistik revidiert. Demnach gibt es aktuell nur 3.479 Fälle mit einer aktiven Corona-Infektion. Jetzt sieht die tschechische Corona-Infektionskurve wieder viel schöner aus.