Im Oktober hatte die tschechische Regierung aufgrund der angespannten Corona-Lage landesweit alle Schulen geschlossen. Ab dem 18. November sollen nun die Grundschulen für die ersten und zweiten Klassen wieder öffnen. Der nationale Notstand steht aber vor einer erneuten Verlängerung, auch wenn sich die Ausbreitung der Pandemie inzwischen verlangsamt.

Grundschüler der ersten und zweiten Klasse kehren ab dem kommenden Mittwoch, den 18. November, wieder vom Distanz- zum Präsenzunterricht in die Schule zurück, ebenso alle Jahrgänge der sogenannten Spezialschulen für Kinder mit Lernschwächen. Die Klassen werden nicht verkleinert oder aufgeteilt wie im Frühjahr, aber dafür gilt auch während des Unterrichts eine Maskenpflicht – für Schüler wie Lehrer. Gesungen werden darf im Unterricht vorerst nicht, auch der Sportunterricht wird zunächst nicht im Stundenplan stehen. Bedingung für die Wiedereröffnung der Grundschulen ist außerdem, dass verschiedene Klassen nicht gemischt werden. Das teilte am Mittwoch der tschechische Schulminister Robert Plaga (parteilos, für ANO) mit.

Wann alle restlichen Schüler wieder die Schulbank drücken dürfen, bleibt indes unklar. Tschechiens Gesundheitsminister Jan Blatný (parteilos, für ANO) wollte dafür keine zeitliche Schätzung abgeben: „Natürlich möchte ich, dass die Kinder zur Schule zurückkehren“, sagte er und fügte hinzu, dass alles von der weiteren Entwicklung der epidemiologischen Situation abhänge.

In Tschechien hatten die Schulen im Oktober schrittweise – zuletzt die Grundschulen am 14. Oktober – geschlossen und auf Distanzunterricht umgestellt. Kindergärten sind nach wie vor geöffnet.

Nationaler Notstand vor erneuter Verlängerung

Seit dem 5. Oktober gelten in Tschechien der nationale Notstand und damit weitreichende Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie. Bereits einmal wurde der Notstand bis 20. November vom Parlament verlängert. Einzelne Mitglieder der Regierung, darunter Innenminister Jan Hamáček (ČSSD) und auch Premierminister Andrej Babiš (ANO) sprachen sich für eine erneute Verlängerung des nationalen Notstands und damit auch für die Verlängerung der aktuell geltenden Corona-Maßnahmen aus. Laut Hamáček solle der Notstand – und die Maßnahmen – solange aufrechterhalten werden, bis die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen wieder im dreistelligen Bereich liegen.

Eine erneute Verlängerung des Notstands muss vom tschechischen Abgeordnetenhaus genehmigt werden. Da die tschechische Regierungskoalition aus ANO und Sozialdemokraten aber keine eigene Mehrheit im Parlament hat, ist sie auf Stimmen der Opposition angewiesen. Diese äußerte sich zunächst zurückhaltend zu den Plänen der Regierung. Der Vorsitzende der bürgerdemokratischen ODS, Petr Fiala, forderte die Regierung dazu auf, gleichzeitig einen konkreten Plan für das weitere Vorgehen vorzulegen, dann könne man der Verlängerung zustimmen. Die Christdemokraten (KDU-ČSL) hatten zuvor eine Teilöffnung der Schulen gefordert, dem kam die Regierung heute nach. Voraussichtlich wird das Parlament nächste Woche Donnerstag darüber entscheiden.

Neues Corona-Ampelsystem

Gesundheitsminister Blatný arbeitet derweil an einem neuen Corona-Ampelsystem, das eventuelle Lockerungen oder Verschärfungen der Corona-Maßnahmen regulieren soll. Das System mit einer Skala von null bis einhundert soll die epidemiologische Lage auf der Basis verschiedener Faktoren täglich neu bewerten. Anhand von fünf Farbstufen können Corona-Maßnahmen dann gelockert oder falls nötig verschärft werden. Am kommenden Freitag möchte das Gesundheitsministerium das System in der finalen Version vorstellen. Die aktuelle Corona-Ampel hat nur drei Risikostufen, seit 14. Oktober befinden sich alle Regionen in der höchsten Warnstufe (rot).

Ausbreitung der Pandemie verlangsamt

Der am 15. Oktober in Kraft getretene Lockdown wirkt sich inzwischen positiv auf die tägliche Zahl der Corona-Neuinfektionen aus. Seit einigen Tagen geht dieser Wert zurück. Für den gestrigen Dienstag meldeten die Behörden 9.016 Corona-Neuinfektionen, das waren zwar etwa 3.000 mehr als am Vortag, aber gleichzeitig etwa 3.000 weniger als am Dienstag der Vorwoche. Aktuell gelten in Tschechien 147.084 Menschen als infiziert.

Seit etwa zwei Wochen stagniert auch die Zahl der wegen einer COVID-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelten Menschen: Am Mittwoch lagen 8.059 Menschen wegen Corona im Krankenhaus, davon nimmt die Erkrankung bei 1.191 einen schweren Verlauf und macht intensivmedizinische Pflege notwendig. Die Auslastung der Intensivbetten liegt aktuell bei 24 Prozent.

Seit Ausbruch der Pandemie sind in Tschechien 5.323 Menschen an bzw. mit COVID-19 gestorben, davon mehr als eintausend innerhalb der vergangenen sieben Tage.