Allerheiligen ist in Tschechien traditionsgemäß der Tag im Jahr, an dem der toten Verwandten gedacht wird. Das auf den 1. November folgende Wochenende wird dann gern genutzt, um die Gräber der Verstorbenen zu besuchen und zu pflegen. Viele Friedhöfe bieten zudem zu dieser Zeit Führungen an und unterstützen so die Trauerarbeit. Auch in Wien hat man sich Gedanken zur Erhaltung der Friedhofskultur gemacht.

 

Manchmal scheint für Außenstehende der Umgang der Wiener mit dem Tod recht eigenwillig bis morbid, doch der besondere Humor und der ‚Wiener Schmäh‘ sind Ausdruck eines eigenen Zugangs zu einem Thema, das alle betrifft und doch oft gemieden wird. In dieser Tradition bietet die Friedhofsverwaltung Wiens „B&F Wien“, die seit 2008 ein Geschäftsbereich der Wiener Stadtwerke ist, ein etwas anderes Programm als ihre Prager Kollegen.

Es gibt da beispielsweise den Tag der offenen Tür der Friedhofsverwaltung an Allerheiligen, zu dem diesmal die Informationsveranstaltung „Vergissmeinnicht (Initiative für das gute Testament)“ gehörte. Auch das Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof, das auf 300 Quadratmetern 250 Ausstellungsstücke versammelt hat, beteiligte sich mit außerordentlichen Öffnungszeiten.

Die "Leichentram" gibt es inklusive einer Figur und zweier Särge mit Deckel - Bild: shop.bestattungsmuseum.at

Das wohl außergewöhnlichste Angebot ist aber wohl der Online-Shop des Museums. Hier kann man USB-Sticks in Sarg- oder Skelettform, Zigarettenetuis mit der Aufschrift „Rauchen sichert Arbeitsplätze“ und T-Shirts mit dem Aufdruck „Friedhöfe Wien – Hier liegen Sie richtig!“ erwerben. Dieses Angebot ist übrigens neu und wurde wegen der Beliebtheit dieser Produkte im Museumsladen eingerichtet. Ein interessantes Mitbringsel sind sicher auch die eigenen Lego-Kreationen mit Leichenwagen und Leichentram. Letztere kommt übrigens in einer Packung mit Minifigur und zwei Särgen inklusive Deckel.

Etwas ernster geht es dagegen auf dem Portal der Wiener Friedhöfe zu, wo man nicht nur einen Bestattungskalender und ein Trauerportal findet, sondern auch einen „Begräbniskonfigurator“, mit dem frühzeitig Vorsorge treffen kann. Auf den Seiten der Prager Friedhofsverwaltung findet man dagegen immerhin viele Informationen und eine virtuelle Tour über den Friedhof Vyšehrad. Zudem gibt es hier die Möglichkeit, Gräber bedeutender Bürger zu adoptieren, etwa das des Arztes Bernhard Seyfert, der als einer der bedeutendsten Gynäkologen seiner Zeit gilt.