Früher wurden rund um das Osterfest im Schönhengstgau allerhand Traditionen und Bräuche gepflegt. Irene Kunc, Leiterin des deutsch-tschechischen Begegnungszentrums in Mährisch Trübau, hat sie zusammengetragen.

In der Nacht vor Palmsonntag begann früher im Schönhengstgau das „Pflöckschloogn“. Da schlugen die Burschen vor dem Fenster ihrer Liebsten heimlich einen Pflock, recht tief in die Erde. Je tiefer, desto größer war die Liebe. Das Mädchen musste den Pflock vor dem Morgengrauen knapp über den Boden absägen. Doch es wäre tief gekränkt gewesen, wenn es keinen Pflock gehabt hätte.

An diesen Sonntag wurden auch die Palmkätzchen geweiht. Sie wurden nach dem Gottesdienst daheim hinter das Kreuz gesteckt. Im Garten, am Feld und am Grab wurden sie in die Erde gesteckt. Sie sollten vor allen bösen Mächten schützen, Krankheiten verhindern und vor Blitz, Hagel, Unwetter und Feuer schützen. Ja, sogar gegen Halsschmerzen sollten sie helfen. Dazu musste man allerdings drei geweihte Palmkätzchen ganz schlucken

In den Dörfern um Mährisch Trübau (Moravská Třebová) und Zwittau (Svitavy) nagelte man drei Palmzweige kreuzweise an die Stalltüren, um den Hexen den Eintritt zu verwehren.

Am Palmsonntag durften im Hause keine Kuchen gebacken werden, weil sonst die Obst- und Getreideblüte eingebacken würden. Und an diesem Sonntag öffneten sich nach der Sage die Schatzberge.

Am krummen Mittwoch, dem Tag in der Karwoche, an dem Judas den Herrn verraten hatte, wurden die Kamine ausgekehrt, und man hatte es gerade für diesen Tag besonders empfohlen. Der Mittwoch gehörte zu den Fasttagen und es sollte an dem Tag auch nicht genäht werden, damit die Finger der Näherin nicht krumm werden.

Gründonnerstag

Der Gründonnerstag bekam seinen Namen nach dem grünen Gewand, das der Pfarrer an diesem Tag trug. Es war ein strenger Fasttag, mit dem viel Brauchtum verbunden war. Man durfte kein Fleisch essen, dafür musste man etwas grüne Lebensmittel essen, wie zum Beispiel; frische Kräuter, junge Brenneseln oder Spinat.

Die Leute standen sehr früh auf und wuschen sich unter fließendem Wasser, weil man dann keinen Ausschlag bekam und das ganze Jahr gesund blieb.

Am Gründonnerstag flogen unsere Glocken jedes Jahr nach Rom, um sich vom Heiligen Vater segnen zu lassen. Die Burschen haben an der Stelle der Glocken mit den Ratschen das Läuten übernommen. Am Donnerstag haben sie zweimal geratscht am Karfreitag sogar viermal und am Ostersamstag einmal, sie bekamen dafür milde Gaben. Das ratschen wurde mit kleinen Sprüchen begleitet:

„Wir haben geratscht für das heilige Grab, nun bitten wir um eine Ostergab.“

Karfreitag

Am Karfreitag ging man zur Kirche und besuchte die heiligen drei Gräber. Dieser Tag war ein strenger Fasttag. Als Mittagessen gab es an diesem Tag Krautsuppe mit hartgekochtem Ei oder Kümmelsuppe mit Brot, zur Vesper Kaffee mit Brot und am Abend Fisch mit Brot oder Kartoffeln.

Man durfte keine Garten- und Feldarbeiten verrichten. Am Karfreitag öffnete sich die Erde und gab ihre Schätze frei.

Karsamstag

Der Karsamstag oder „weißer Samstag“ war der letzte Fasttag. Weiß nannte man ihn nach der Kleidung der erwachsenen Gläubigen der frühen Kirche, die an diesem Tag getauft wurden. Der Karsamstag wurde auch „Tag des Lichtes“ genannt. In aller Frühe wurde auf dem Friedhof „der Judas verbrannt“, das Feuer wurde geweiht und darin wurden Holzscheiten angebrannt. Nach der Kirche nahm man das Holz mit nach Hause und der Hausvater schnitzte daraus kleine Kreuze, die er dann am Ostersonntag während des Mittagsläutens mit den geweihten Palmzweigen auf sein Feld steckte.

Am Karsamstagvormittag läuteten die Glocken wieder. An diesem Tag hat man sich auch die Augen im fließenden Wasser gewaschen und hat ein Schluck Wasser getrunken, damit uns die Sehkraft und reine Haut erhalten bleibt.

Im Haus wurden die letzten Arbeiten vollendet, man hat ein Osterbrot gebacken und die Ostereier gefärbt. Am Abend war die feierliche Auferstehungsfeier und alle wünschten sich „gesunde und selige Ostern“.

Ostersonntag

Am Ostersonntag hieß es zeitlich aufstehen, damit man bei Sonnenaufgang die drei Freudensprünge der Sonne (wegen der Auferstehung Christi) sehen konnte. Vor dem Sonnenaufgang wurden die Speisen in ein großes Tuch gelegt und in die Kirche mitgenommen. Die Hausfrauen legten die mitgebrachten Speisen, Osterstriezl, Eier, Geselchtes und Würste, Zwiebel, Knoblauch, Salz und Wein in der Kirche auf die Altarstufen, um sie weihen zu lassen. Zum Osterfest gehörte das Osterlamm, das gebraten auf den Tisch kam, später auch als Kuchen in einer Form gebacken wurde. Der Ostersonntag stand im Zeichen der Verwandtenbesuche. Am Ostersonntag suchten die Kinder ihre Osterneste, für die hat man schon 4 Wochen früher in eine Schüssel Weizen gesät.

Ostermontag

Der Ostermontag war im Brauchtum der wichtigste Tag des Osterfestes. Er schenkt den Menschen neue Energie und Gesundheit. Am Ostermontag gingen die Kinder, Burschen und Männer „Schmeckustern“, die Jungs schlugen leicht mit ihren selbst geflochtenen Ruten Mädchen und Frauen. Je mehr sie sie „durchklopften“, desto gesünder sollten sie bleiben. In einer Hand die Rute, in der anderen ein zusammengeknüpftes Tuch oder einen Korb gingen die Burschen von Haus zu Haus. Überall sangen sie ein Sprüchlein:

„Junges Madl, lass dich peitschen, dass Dich net die Fleja peißen. Ding o rutes Ei, für a Fläschl Brontwein“

Und die Gegengabe der Burschen waren ein Kuchen, Ostereier, etwas Geld und andere Gaben, die Männer bekamen einen Osterschnaps. In einigen Gegenden schenkten die Mädchen den Burschen ein seidenes Halstuch und ein Taschentuch, in das ein „Krapfla“ (Osterkrapfen) und ein Ei eingebunden waren. Das eigentliche Ostergeschenk war aber ein gefärbtes Osterei, verziert mit allerlei Sprüchen:

„Dieses Ei ist rosenrot, unsere Lieb bleibt bis in Tod, wenn auch das Ei zerbricht, unsere Liebe nicht“

oder

„Alles kauft man auf Gewicht, aber doch die Liebe nicht. Es gibt jetzt Eier viel, drum ist es von der Hochzeit still“

Früher gab es im Schönhengstgau, auch das Osterreiten, es fand am Ostermontag statt. Die Bauern und die größeren Burschen versammelten sich sehr früh und ritten auf Pferden durch das Dorf. Sie trafen sich vor der Kirche, der Pfarrer segnete sie und übergab ihnen ein großes Kreuz, das vom ersten Ritter getragen wurde. Auf diese Weise umritten die Bauern das ganze Dorf, das ganze Gebiet der Gemeinde bis zu der Dorfgemarkung, während die Dorfbewohner in der Kirche beteten. Nach ihrer Rückkehr opferte der erste Reiter in der Kirche eine große Kerze. An diesem Tag fand auch der erste Tanz nach der Fastenzeit in der Gaststätte statt.