Internationale Jugendbegegnungen trotz geschlossener Grenzen, wie kann das funktionieren? Diese Frage stellte sich im März dieses Jahres das Projekt „OnlineChallenge 2020“. Die Ergebnisse dieser besonderen „Herausforderung“ (engl. „Challenge“) wurden kürzlich auf der „1.  Deutsch-tschechischen OnlineKonferenz“ vorgestellt.

Nicht nur Pendler und Touristen stellten die Grenzschließungen zwischen Deutschland und Tschechien im Frühling vor große Herausforderungen. Auch für die grenzüberschreitende Bildungs- und Jugendarbeit mussten kreative Lösungen gefunden werden. „Wir wollten trotzdem einen Raum anbieten, in dem sich Jugendliche treffen und eigene Ideen für Projekte umsetzen können“, erklärt Martina Engelmaierová, Sozialpädagogin und neben Kristýna Šoukalová Mitbegründerin des Vereins „Prostor pro rozvoj“ („Raum für Entwicklung“), der das Projekt ins Leben rief.

Gemeinsam mit den Projektpartnern JUKON, der Jugend- und Kulturorganisation der deutschen Minderheit, und dem deutschen Jugendwerk gestalteten die Organisatorinnen ein Rahmenprogramm, in dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur eigene Projektideen entwickeln und umsetzten konnten, sondern zudem nützliche Medienkompetenzen und Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien erlangten.

Digitale Begegnungen

Bis zum 30. Mai konnten sich Jugendliche zwischen 13 und 26 Jahren für das Digitalprojekt anmelden. Im Juli bildeten sich verschiedene themenspezifische Arbeitsgruppen aus, die jeweils eine Mentorin oder ein Mentor betreute. Mitte Juli ging das Projekt in die Hauptphase: Vier Monate lang traf man sich wöchentlich im virtuellen Raum, verteilte Rollen und Aufgaben und nahm an Webinaren zur Einführung in die Nutzung digitaler Programme und Anwendungen teil. Entstanden sind drei spannende Projekte.

„Grünes Band Europa“

Zu diesen gehört die Naturschutzinitiative „Grünes Band Europa“. Wo einst der Eiserne Vorhang Europa teilte, setzt sich die Initiative für die Vernetzung von Naturschutzgebieten und den Erhalt der Artenvielfalt ein. In Anlehnung an die gleichnamige internationale Initiative hat sich ein fünfköpfiges Projektteam mit der Unterstützung von Lucretia Penzenstadler Themen rund um den Naturschutz in einem Teilbereich des ehemaligen Grenzstreifens gewidmet. Unter dem Namen „Greenbelt Challenge“ betreibt die Gruppe einen Instagram-Kanal rund um die Themen Naturschutz, Artenvielfalt und „Zero Waste“ (engl. für „Null Abfall“). Dabei spielt auch die historische Dimension des europäischen Naturerbes eine große Rolle. „An die Vergangenheit erinnern, die Gegenwart erleben und die Zukunft gestalten“, all das ist laut der 18-jährigen Studentin Klára aus Prag im Grünen Band möglich.

„Hör Abi“

Wie kann Lernen spannend und abwechslungsreich gestaltet werden? Der Beantwortung dieser Frage widmete sich eine andere Gruppe unter der Leitung von Aneta Beranová. Entstanden ist ein Podcast mit dem Namen „Hör Abi“ („Poslouchej Maturitu“), der Schülerinnen und Schüler bei der Vorbereitung auf ihr Abitur unterstützen soll. In einem interaktiven Format werden Fragen des mündlichen Abiturs auf Deutsch bearbeitet und Tipps von deutschen Lehrkräften zur Bearbeitung gegeben. Der Zugriff auf den Podcast erfolgt z. B. über Streaming-Dienst „Spotify“. Ergänzend hierzu gibt es auf sozialen Medien eine Plattform zum Austausch.

Sport, Ernährung und Meditation

In der letzten Gruppe mussten laut dem Mentor Bohumil Blecha neben der räumlichen Distanz auch die Alters- und Sprachbarriere überwunden werden. Die vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten sich jeweils einer individuellen Herausforderung. Eine Teilnehmerin z. B. meditierte zwei Wochen lang täglich und konnte schon nach kurzer Zeit von den Vorteilen profitieren: eine höhere Stressresistenz und eine Zunahme der Schlafqualität. Zwei weitere Teilnehmer stellten ihre Ernährung um und verzichteten auf tierische Produkte. Die vierte Schülerin praktizierte täglich Yoga und stellte schnell Fortschritte in der Ausführung der Übungen fest.

Projekt mit Vorbildcharakter

Auch die Projektpartner zeigten sich angesichts der vielfältigen spannenden Präsentationen begeistert von den Ergebnissen. Tomáš Jelínek, Direktor des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, der das Projekt unterstützt, sieht in der „OnlineChallenge“ ein positives Beispiel für den Umgang mit den Corona-Einschränkungen. „Alle, auch wir, stehen in diesem Jahr vor einer neuen Situation. Die Corona-Pandemie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und deswegen hat mich das Projekt wirklich begeistert. Weil das Bestreben der ‚OnlineChallenge‘ genau das ist, was wir heutzutage tun sollten: Nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern neue Möglichkeiten suchen, wie wir miteinander kommunizieren und diskutieren können.“ Auch Jonas Richter betont stellvertretend für die JUKON, dass das Projekt hervorragend das Motto der Jugendorganisation „Vielfalt statt Einfalt“ treffe.

Im Frühjahr 2021 wird es wieder eine „OnlineChallenge“ geben, dann soll diese einen ökologischen Schwerpunkt haben.

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