Der geplante Bau eines modularen Kernreaktors am tschechischen Atomkraftwerk Temelín nimmt eine weitere Hürde im Genehmigungsverfahren. Seit dem 9. Oktober liegt die Umweltverträglichkeitsprüfung öffentlich aus. Während die Gutachter keine unzulässigen Umweltrisiken feststellen, äußern Gemeinden und Umweltverbände erhebliche Bedenken.
Das mehr als 500 Seiten umfassende Dokument kommt zu dem Ergebnis, dass das Vorhaben aus Umweltsicht grundsätzlich umsetzbar sei. Eine endgültige Genehmigung ist damit allerdings noch nicht verbunden. Bürger, Behörden und Organisationen können innerhalb von 30 Tagen Stellung nehmen.
Kritik an Reaktorgröße und Technik
Die südböhmischen Grünen und die Bürgerinitiative für Umweltschutz (OIŽP) bemängeln unter anderem die Bezeichnung als kleiner modularer Reaktor (Small Modular Reactors, SMR). Mit einer vorgesehenen Leistung von rund 470 Megawatt überschreite die Anlage die international übliche Grenze von 300 Megawatt für diese Reaktorkategorie deutlich. Zudem halten die Kritiker die Angaben zur geplanten Technologie von Rolls-Royce und zur Entsorgung radioaktiver Abfälle für unzureichend. Auch sei SMR bei der Bewertung nicht mit anderen Methoden der Stromerzeugung oder Energieeinsparung verglichen worden.
Sorgen um Wasser und Verkehr
Auch die Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden beschäftigen die Beteiligten. Schemeslitz (Všemyslice) befürchtet eine erhebliche Zunahme des Schwerlastverkehrs während der Bauarbeiten. Umweltverbände warnen außerdem vor möglichen Engpässen bei der Wasserversorgung infolge des Klimawandels. Die zuständige Wasserbehörde und die Atomaufsicht wollen das Projekt ebenfalls prüfen. Letztere wird Fragen der nuklearen Sicherheit in einem gesonderten Genehmigungsverfahren bewerten.
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