Wissenschaftler vom tschechischen Institut für alternative Kraftstoffe haben ein neuartiges Fahrzeug entwickelt, das statt Benzin auch Bier als Treibstoff nutzen kann. Immerhin ist Bier auf absehbare Zeit günstiger zu haben als Benzin oder Diesel. Ein erster Prototyp soll noch heute auf die Straßen gehen.

Infolge des Iran-Kriegs klettern auch in Tschechien die Kraftstoffpreise in nie da gewesene Höhen. Der Dieselpreis steht kurz vor der Überschreitung der magischen 50-Kronen-Marke (ca. 2 Euro). Angesichts der stark steigenden Preise für herkömmliche Treibstoffe haben tschechische Forscher vom Institut für alternative Kraftstoffe in Altbunzlau (Stará Boleslav) nordöstlich von Prag nun eine günstigere, zudem klimafreundliche Alternative entwickelt: Ein Auto, das statt Benzin oder Diesel auch Bier als Treibstoff nutzen kann. „Wir sehen darin ein großes Potenzial für die tschechische Energieunabhängigkeit“, so ein Pressesprecher des Instituts.

In tschechischen Supermärkten liegt der Bierpreis im Durchschnitt aktuell bei etwa 46 Kronen (ca. 1,88 Euro). Der Rohbierpreis direkt von Brauereien liegt dabei noch einmal um etwa 20 Prozent darunter. Damit wird Bier zunehmend konkurrenzfähig gegenüber Benzin und Diesel. Experten rechnen zudem damit, dass die Preise für herkömmliche Kraftstoffe in Zukunft noch weiter steigen.

Wie das Bierverbrennersystem funktioniert

An der Funktionsweise des neuen Antriebssystems haben die Forscher aus Altbunzlau mehrere Jahre getüftelt. „Das Fahrzeug nutzt ein neuartiges Fermentationsmodul, das Ethanol direkt aus ungefiltertem Bier gewinnt und in kinetische Energie umwandelt“, erklärte das Institut in einer Pressemitteilung vom 1. April 2026.

Der Wirkungsrad richtet sich dabei aber auch nach der Biersorte. Wie die Forscher durch jahrelanges Experimentieren herausgefunden haben, funktioniert das Bierverbrennersystem am besten mit Pilsner Lager oder untergärigen Bieren. Dunkle Biere oder Hefeweizen zeigten eine eher geringere Effizienz. Eine weitere Rolle spielen Alkoholgehalt und Stammwürze: Während ein höherer Alkoholgehalt mehr Energieeffizienz bedeutet, sorgt eine höhere Stammwürze auch für einen erhöhten Schadstoffausstoß. So gelten Doppelbockbiere zwischen 7 % und 10 % Vol. zwar als besonders energiereich, gleichzeitig müssten aber aufgrund der hohen Stammwürze von bis zu 18 Grad besondere Filter verbaut werden, um den Schadstoffausstoß, insbesondere von dem bisher kaum erforschten Hopfenstoffdioxid, einzudämmen.

Laut Entwicklern liegt die Reichweite aktuell bei rund 500 Kilometern pro Tankfüllung – abhängig von Fahrstil, Biersorte und Außentemperatur. Besonders im Sommer könne es zu leichten Druckverlusten durch Verdunstung kommen. Der tschechische Verband der Autofahrer empfiehlt, zur Sicherheit stets einen Notkasten Bier im Kofferraum mitzuführen, falls es zu einer spontanen Verpuffung kommen sollte.

Deal zwischen Škoda Auto und Pilsner Urquell

Die Innovation birgt immense Wachstumschancen für die tschechische Wirtschaft. Pilsner Urquell und Škoda Auto befinden sich derzeit bereits in Verhandlungen über eine Partnerschaft. Škoda Auto hatte massiv in die Forschung investiert und mit dem Institut für alternative Kraftstoffe gemeinsam an einem Prototypen gearbeitet, dem Škoda Hop & Malt. Während erste Testfahrten auf dem Gelände von Pilsner Urquell bereits erfolgreich waren, soll das neue Modell heute erstmals eine Fahrt von Pilsen nach Prag und weiter nach Altbunzlau absolvieren.

Pilsner Urquell steht parallel in Verhandlungen mit den größten tschechischen Tankstellenbetreibern sowie einer staatlichen Infrastruktursonderkommission über den Bau von Bierpipelines zu allen größeren tschechischen Städten. Geplant ist zudem die Einführung neuer Zapfsäulen mit den Bezeichnungen „Super“, „Diesel“ und neu „Světlý ležák 12°“. Premiumsorten sollen an ausgewählten Standorten ebenfalls verfügbar sein.

Neue Vorteile für Tanktouristen

Die tschechische Regierung hat angekündigt, den Wechsel zum Bierverbrenner mit einer Abwrackprämie für herkömmliche Verbrennerfahrzeuge zu subventionieren. Eine Umrüstung lohnt sich in den meisten Fällen nicht.

Eine Mehrheit der Autofahrer begrüßt die neue technologische Entwicklung. Viele sind aber noch skeptisch. „Wenn das wirklich funktioniert, wäre das natürlich eine interessante Alternative – gerade bei den aktuellen Preisen. Wobei ich mir noch nicht vorstellen kann, wie das technisch gehen soll“, sagt eine junge Frau namens Alena im Tschechischen Fernsehen. Auch Tanktouristen aus Deutschland wurden befragt: „Ich fahre oft über die Grenze zum Tanken. Wenn ich dann statt Diesel einfach Bier zapfen kann, spare ich mir zumindest den Weg zum Getränkemarkt“, sagt Ronny aus Annaberg-Buchholz, der regelmäßig zum Tanken nach Weipert (Vejprty) fährt.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen schönen ersten April 😉

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