In einer Höhle in südmährischen Rziczka-Tal wurden die Gravuren eines Pferdekopfes entdeckt. Der 15.000 Jahre alte Fund wirft ein neues Licht auf die steinzeitliche Kultur im Gebiet des heutigen Tschechiens.
Ein internationales Archäologenteam rund um das Archäologische Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Brünn hat in der Švédův stůl Höhle im Rziczka-Tal, im Mährischen Karst die Gravuren eines Pferdekopfes entdeckt. Der Fund aus der späten Magdalénien-Zeit ist 14.000 – 15.000 Jahre alt und eröffnet neue Perspektiven auf das symbolische Denken der Menschen am Ende der letzten Eiszeit. Zudem stellt das Artefakt gängige Annahmen zur Verbreitung europäischer Höhlenkunst infrage.
Menschen nutzten Symbole
Auf dem Kalksteinblock sind zwei benachbarte Pferdegravuren erkennbar, die teilweise von später hinzugefügten Linien überlagert werden. Diese bewusste Zerstörung oder „Übermalung“ eines bereits bestehenden Motivs kann als Ausdruck symbolischer oder ritueller Handlungen interpretiert werden: „ Solche Eingriffe in ein bereits vollendetes Motiv deuten darauf hin, dass das Bild für die Menschen jener Zeit eine Bedeutung hatte, die über seine bloße visuelle Form hinausging“, erläutert Petr Škrdla vom Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften.

Magdalénien-Kultur weiter verbreitet als angenommen
Funde wie die Pferdekopf-Gravuren waren bisher nur an westeuropäischen Fundstätten dokumentiert worden. Die jüngste Entdeckung erweitert damit das Bild von der Verbreitung und Bedeutung eiszeitlicher Kunst in Mitteleuropa erheblich. Nach Einschätzung der Forscher belegt der Fund in Mähren, dass die Magdalénien-Kultur in einen größeren europäischen Kulturraum eingebunden waren, als bislang angenommen. Die Magdalénien-Kultur war eine hochentwickelte Kultur des mittleren Jungpaläolithikums vor etwa 20.000 bis 14.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit in Europa.
Hinweis auf einen größeren Fund?
Der Stein wurde im Abraum entdeckt, welcher bei früheren Grabungen vor der Höhle entstanden waren, und anschließend mit archäologischen, petrographischen und mikroskopischen Methoden untersucht. Die Forschungsergebnisse wurden im „Journal of Paleolithic Archaeology“ veröffentlicht. Nicht alle Fragen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten bisher beantwortet werden: „Wichtig ist, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen tragbaren Gegenstand handelt, sondern um ein Fragment einer Höhlenwand, das durch natürliche Prozesse abgetrennt wurde. Dies wirft die Frage auf, ob die Gravuren noch an der Wand vorhanden waren oder erst nach dem Ablösen des Blocks entstanden sind“, erklärt Petr Škrdla. Der Pferdekopf-Stein könnte also potentiell Teil eines größeren Fundes sein.




