Seit vier Jahrzehnten bewahrt die Heimatstube Podersam-Jechnitz im oberfränkischen Kronach die Geschichte der einstigen deutschen Bevölkerung aus Nordwestböhmen. Zum Jubiläum kamen mehr als 30 Teilnehmer aus Deutschland und Tschechien zusammen. Dabei ging es nicht nur um Erinnerungen an die einstige Heimat, sondern auch um die deutsch-tschechische Verständigung.
Mit einer dreitägigen Tagung hat der Heimatkreis Podersam-Jechnitz im September das 40-jährige Bestehen seiner Heimatstube in Kronach gefeiert. Den Auftakt bildete am 18. September eine Festveranstaltung im Großen Sitzungssaal des Kronacher Rathauses. Neben Mitgliedern des Heimatkreises und Vertretern der Kommunalpolitik nahmen auch Gäste aus Tschechien teil.
Die Heimatstube wurde 1986 eingerichtet, als die Stadt Kronach dem Heimatkreis entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Sie befindet sich im sogenannten Fiedlershaus aus dem 17. Jahrhundert in der Oberen Stadt. Auf rund 60 Quadratmetern beherbergen drei Räume heute eine umfangreiche Sammlung von Büchern, Dokumenten, Texten und historischen Gegenständen. Sie erzählen vom einstigen Leben der deutschen Bevölkerung im früheren Kreis Podersam-Jechnitz und von ihrer Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Maßgeblichen Anteil am Aufbau und Erhalt der Sammlung hat die aus Podersam (Podbořany) stammende Familie Bräuer. Insbesondere die Frauen der Familie kümmern sich inzwischen in dritter Generation um die Heimatstube und tragen dazu bei, die Erinnerungen für nachfolgende Generationen zu bewahren.
Ein Ort der deutsch-tschechischen Begegnung
Bei der Jubiläumsfeier würdigte Kronachs Erste Bürgermeisterin Angela Hofmann die Bedeutung der Einrichtung. Die Heimatstube habe sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem wichtigen Ort der Begegnung zwischen Deutschen und Tschechen entwickelt. Auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Heinz Hausmann, der dem Kronacher Stadtrat 54 Jahre lang angehörte und sich über viele Jahre für die Heimatstube einsetzte, erinnerte an deren Geschichte.
Glückwünsche überbrachten außerdem Kreisrat Stefan Wicklein und Frank Altrichter von der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Landesgruppe Bayern. Aus Tschechien meldete sich Radek Reindl, langjähriger Bürgermeister von Podersam, mit einer Videobotschaft zu Wort. Bei deren Übermittlung unterstützte die Lehrerin Romana Havrdová.
Dass die Heimatstube nicht nur die Vergangenheit bewahrt, sondern auch Brücken in die Gegenwart schlägt, zeigte das Programm der Jubiläumstagung. Unter den mehr als 30 Teilnehmern befanden sich fünf Gäste aus der Region Podersam, die sich in verschiedenen Forschungs- und Erinnerungsprojekten mit der Geschichte ihrer Heimat beschäftigen. Ihre Arbeit widmet sich unter anderem dem früheren Leben der deutschen Bevölkerung in der Region. Für die Vorsitzende des Heimatkreises, Christiane Binder, ist dieses Engagement ein wichtiges Zeichen der Versöhnung.
Dank an die Patenstadt Kronach
Das Jubiläum bot zugleich Gelegenheit, die langjährige Verbindung zwischen dem Heimatkreis und der Stadt Kronach zu würdigen. Seit 65 Jahren besteht die Patenschaft, die für den Erhalt der Heimatstube von besonderer Bedeutung ist.
Binder dankte der Stadt dafür, dass sie die Räumlichkeiten weiterhin zur Verfügung stellt und auch die Jubiläumsveranstaltung unterstützte. Für die dreitägige Tagung konnte der Heimatkreis den technisch ausgestatteten Großen Sitzungssaal des Rathauses nutzen.
Mit der fortgesetzten Unterstützung der Stadt soll die Heimatstube auch künftig als Anlaufstelle für alle dienen, die sich mit der Geschichte der Region Podersam-Jechnitz beschäftigen möchten – und als Ort, an dem aus der Erinnerung an eine gemeinsame Vergangenheit neue Verbindungen zwischen Deutschen und Tschechen entstehen.
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