In der Deutschen Botschaft in Prag kamen am 16. April zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus ganz Tschechien zusammen, die sich der Aufarbeitung der Vertreibung sowie dem Erhalt deutschen Kulturguts in den böhmischen Ländern widmen. Unter dem Titel „Vergangenheit verbindet“ bot das Netzwerktreffen Raum für Austausch, Diskussion und neue Impulse für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit.
Veranstaltet wurde das Netzwerktreffen von der Deutschen Botschaft, dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik sowie der Initiative Antikomplex. Vertreterinnen und Vertreter aller Organisationen eröffneten die Veranstaltung mit Grußworten. „Die Veranstaltung heute soll dazu dienen, Ihnen zu danken und Ihre Arbeit zu würdigen, aber ein Netzwerktreffen ist natürlich dazu da, dass Sie sich kennenlernen und sich austauschen“, so die Gesandte der Botschaft Petra Dachtler.
Nach der offiziellen Begrüßung stand vor allem die inhaltliche Arbeit im Mittelpunkt. In mehreren parallel laufenden Workshops diskutierten die Teilnehmenden zentrale Fragen der Erinnerungskultur und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
Zwischen Erinnerung und Gegenwart
Die Konferenz knüpfte dabei an eine Veranstaltung aus dem vergangenen Jahr an, die sich unter dem Titel „80 Jahre Vertreibung – Gedenken in Tschechien“ mit der Erinnerungskultur auseinandersetzte. Thematisch reichte das Spektrum von der öffentlichen Erinnerung an die Opfer der Vertreibung über konkrete Projekte zur Pflege deutscher Gräber in der Tschechischen Republik bis hin zu kulturellen Reflexionen der gemeinsamen Vergangenheit. Auch die Erforschung deutscher Spuren in Böhmen sowie Initiativen zur gelebten Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen standen im Fokus. Die Workshops fanden teils auf Tschechisch, teils zweisprachig statt – ganz im Sinne des deutsch-tschechischen Austauschs, der die Veranstaltung prägte.
Nach einer ersten Arbeitsphase bot eine Kaffeepause Gelegenheit zum informellen Austausch, bevor die Diskussionen in eine zweite Workshop-Runde gingen. Die abschließende Präsentation der Ergebnisse machte deutlich, wie vielfältig die Ansätze und Perspektiven sind – zugleich aber auch, wie stark das gemeinsame Anliegen verbindet: die Geschichte nicht nur zu bewahren, sondern aktiv in die Gegenwart zu tragen.
Weg der Versöhnung weitergehen
Eines der Projekte, die aktuell besonders im Fokus stehen, ist das Festival Meeting Brno. Die Bürgerinitiative hatte im vergangenen Jahr die Sudetendeutsche Landsmannschaft eingeladen, den Sudetendeutschen Tag 2026 in Brünn und damit erstmals in der Tschechischen Republik zu veranstalten. David Macek, Mitbegründer von Meeting Brno, sprach in der Abschlussrunde über die Bedeutung dieser historischen Einladung. Macek verband seinen Ausblick mit einem Appell an die Anwesenden, den eingeschlagenen Weg der Versöhnung gemeinsam weiterzugehen. Es gehe nicht nur um die Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern auch um aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. „Wenn wir glauben, dass wir hier nur über Geschichte sprechen, dann irren wir uns“, sagte er mit Blick auf die gegenwärtigen Debatten. Zugleich warb er dafür, die Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg zu stärken: „Wir schaffen das nicht allein – lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen.“ Ziel müsse es sein, so Macek, das Thema Vertreibung der politischen Instrumentalisierung zu entziehen und den Dialog nachhaltig zu stärken.
Bei dem anschließenden Networking gab es zudem noch die Möglichkeit für die Teilnehmenden, sich zu vernetzen, konkrete Projekte anzustoßen oder bestehende Kooperationen auszubauen.
Fotos: LandesEcho / Lennard Halfmann
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