Was verbindet die deutsche Minderheit in Tschechien mit einer kleinen sudetendeutschen Kolonie in Paraguay? Beim Sudetendeutschen Tag in Brünn (Brno) diskutierten Vertreter aus Tschechien, Deutschland und Südamerika über Sprache, Identität und die Rolle deutscher Schulen als Brücken zwischen den Kontinenten.
Nicht nur die deutsch-tschechische Verständigung in Europa stand beim Sudetendeutschen Tag in Brünn (Brno) im Mittelpunkt. Eine Podiumsdiskussion der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland und der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechische Republik widmete sich am Samstag, den 23. Mai 2026, auch den historischen und heutigen Verbindungen zwischen der deutschen Minderheit in Tschechien und sudetendeutschen Gemeinschaften in Südamerika. Unter dem Titel „Verbundenheit überwindet Grenzen“ diskutierten Vertreter aus Paraguay und Prag über die Bedeutung deutscher Schulen und kultureller Netzwerke für den Erhalt von Sprache und Identität.
Im Zentrum stand dabei die Deutsche Schule in Colonia Sudetia in Paraguay. Miguel Bohnert vom Schulvorstand erinnerte daran, dass sudetendeutsche Familien bereits in den 1930er Jahren nach Paraguay auswanderten und dort eigene Siedlungen gründeten. Die Schule sei bis heute ein zentraler Ort zur Weitergabe des kulturellen Erbes. In der kleinen Kolonie lebten noch etwa 120 bis 130 deutschsprachige Bewohner. Zugleich werde es immer schwieriger, Sprache und Traditionen langfristig zu bewahren. Zu den aktuell etwa 60 Schülern gehören inzwischen auch spanischsprachige Kinder, die dort Deutsch lernen.
Deutsche Auslandsschulen wichtige „Brückebauer“
Die ehemalige Schülerin Camila Bohnert schilderte, welche Bedeutung die deutsche Sprache für junge Menschen in Paraguay habe. Deutsch öffne sowohl beruflich als auch persönlich viele Türen und ermögliche internationale Kontakte. Gleichzeitig wüssten außerhalb der Kolonie nur noch wenige Menschen überhaupt über die sudetendeutsche Herkunft der Bewohner Bescheid.
Auch Vertreter der deutschen Minderheit in Tschechien betonten die Bedeutung solcher Bildungsprojekte. Linda Dostálová von der Jugend- und Kulturorganisation JUKON erklärte, viele junge Angehörige der Minderheit wüchsen heute zweisprachig auf. Die deutsche Sprache eröffne Möglichkeiten für Studium, Beruf und internationale Begegnungen. Martin Herbert Dzingel, Geschäftsführer der Landesversammlung, hob hervor, dass Schulen wie das Thomas-Mann-Gymnasium in Prag (dessen Direktor Dzingel ab August 2026 sein wird) und die Deutsche Schule in Paraguay voneinander profitieren könnten. Gerade angesichts sinkender Bedeutung des Deutschen im Bildungssystem seien internationale Partnerschaften wichtiger denn je.
Der Vorsitzende der deutsch-tschechischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Stephan Mayer (CSU), bezeichnete deutsche Auslandsschulen als wichtige „Brückenbauer“. Weltweit besuchten rund 85 000 Schülerinnen und Schüler deutsche Auslandsschulen, zwei Drittel davon ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Diese Einrichtungen vermittelten nicht nur Sprache, sondern auch ein modernes Deutschlandbild und stärkten internationale Verbindungen.
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