Mit der Verleihung des Europäischen Karls-Preises an Milan Uhde und einer Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder erreichte der erste Sudetendeutsche Tag in Tschechien am Sonntag seinen Höhepunkt. Am Nachmittag demonstrierten in der Brünner Innenstadt Tausende Gegner der Veranstaltung, unter ihnen Ex-Präsident Miloš Zeman.

Die traditionelle Hauptkundgebung auf dem Brünner Messegelände bildete am Sonntag den Höhepunkt des 76. Sudetendeutschen Tags. Die Veranstalter bezeichneten das erstmals in Tschechien ausgerichtete Treffen als Beginn eines neuen Kapitels in den Beziehungen zwischen Tschechen und Sudetendeutschen. Am Nachmittag demonstrierten in der Brünner Innenstadt Tausende Menschen gegen die Veranstaltung, unter ihnen auch Ex-Präsident Miloš Zeman.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder würdigte die Austragung des Sudetendeutschen Tags in Brünn (Brno) als „historischen Augenblick“. Das Treffen zeige, dass Deutsche und Tschechen heute keine Gegner mehr seien, sondern Partner in einem gemeinsamen Europa. Auch der südmährische Landeshauptmann Jan Grolich (KDU-ČSL) begrüßte die Teilnehmer ausdrücklich als Freunde und erklärte, die Versöhnung zwischen beiden Völkern sei ein wichtiger Erfolg der vergangenen Jahrzehnte. Ein Grußwort überbrachte auch die Brünner Oberbürgermeisterin Markéta Vaňková (ODS).

Steffen Hörtler, Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Bayern und stellvertretender Bundesvorsitzender, sprach von einer „neuen historischen Etappe“ in den deutsch-tschechischen Beziehungen. Dass der Sudetendeutsche Tag erstmals in der ehemaligen Heimat der Sudetendeutschen stattfinde, sei das Ergebnis jahrelangen Dialogs und gegenseitigen Vertrauens. Die Begegnung solle genutzt werden, um weitere Brücken für die gemeinsame europäische Zukunft zu bauen.

Europäischer Karls-Preis für Milan Uhde

Ein Höhepunkt der Hauptkundgebung war die Verleihung des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft an den tschechischen Schriftsteller, Politiker und ehemaligen Dissidenten Milan Uhde. Der bald 90-Jährige erhielt die Auszeichnung für seine Verdienste um die Aussöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen.

In seiner Dankesrede erklärte Uhde auf Deutsch, er nehme die Auszeichnung „im Namen aller Menschen guten Willens“ entgegen. Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, würdigte Uhde als Brückenbauer, der trotz der Ermordung zahlreicher Familienmitglieder durch die Nationalsozialisten nie Ressentiments gegenüber Deutschen entwickelt habe. Nach der politischen Wende von 1989 habe er sich aktiv für die Aussöhnung eingesetzt und den Weg Tschechiens nach Europa unterstützt. Auch der Sudetendeutsche Tag in Brünn sei maßgeblich seiner Initiative zu verdanken.

Der Brünner Ehrenbürger Milan Uhde nahm den Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft entgegen. Der Sohn einer jüdisch-tschechischen Familie gehört zu den bedeutendsten Fürsprechern der Aussöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen.
Der Brünner Ehrenbürger Milan Uhde nahm den Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft entgegen. Der Sohn einer jüdisch-tschechischen Familie gehört zu den bedeutendsten Fürsprechern der Aussöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen. Credit: LandesEcho/ Yannis Weber

Zum Abschluss der Hauptkundgebung erklangen die tschechische, die bayerische, die deutsche und die europäische Hymne. Die tschechische Nationalhymne gehört seit 2022 fest zum Programm der Sudetendeutschen Tage und wird von den Veranstaltern als Symbol der Freundschaft zwischen beiden Nationen verstanden.

Tausende demonstrieren in der Innenstadt

Am Nachmittag versammelten sich in der Brünner Innenstadt Gegner des Sudetendeutschen Tags. Nach Schätzungen der Polizei nahmen rund 2500 Menschen an der Kundgebung auf dem Dominikanerplatz teil, die Organisatoren sprachen von bis zu 4000 Teilnehmern. Zuvor zog ein Demonstrationszug vom Hauptbahnhof durch das Stadtzentrum.

Zu den Rednern gehörte auch der ehemalige tschechische Präsident Miloš Zeman. Er erneuerte seine Kritik an der Austragung des Sudetendeutschen Tags in Tschechien und verteidigte die Beneš-Dekrete als Bestandteil der Nachkriegsordnung. Weitere Redner, darunter die Vorsitzende der tschechischen Kommunisten und Europa-Abgeordnete Kateřina Konečná, warnten vor einer Relativierung der Folgen der nationalsozialistischen Besatzung und lehnten Forderungen nach einer Neubewertung der Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg ab.

Mit einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus am Kaunitz-Wohnheim wird der 76. Sudetendeutsche Tag in Brünn am Montagvormittag enden.

Fotos: LandesEcho/ Yannis Weber

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