Der Roadmovie „Karavan“ ist beim 33. Böhmischen Löwen als bester Film ausgezeichnet worden. Mehrere Preise gingen zudem an ein Kafka-Biopic und den Dokumentarfilm „Ich würde lieber in der Wildnis verrückt werden“. Eine tschechische Koproduktion gewann parallel in Los Angeles einen Oscar.

Das Drama Franz der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland konnte bei der Verleihung des 33. Böhmischen Löwen (Český lev) am vergangenen Samstag bei 15 Nominierungen vier Preise gewinnen. Neben dem besten Bühnenbild, den besten Kostümen und den besten Masken gewann der deutsche Schauspieler Idan Weiss für seine Verkörperung von Franz Kafka die Auszeichnung als bester Hauptdarsteller. 

Als beste Hauptdarstellerin wurde Kateřina Falbrová für ihre Rolle der Karolína in Ondřej Provazníks Film Der Chorleiter (Sbormistr) ausgezeichnet. Die Schauspielerin war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst 13 Jahre alt. In dem Film wird Karolína zusammen mit ihrer Schwester in einen Chor aufgenommen, fällt dort aber dem manipulativen Verhalten des Chorleiters zum Opfer. Der Film hatte den wahren Fall von sexuellem Missbrauch in einem bekannten Mädchenchor zur Vorlage. Auch die Auszeichnung für die beste Musik sowie den besten Ton konnte der Film gewinnen. 

Als bester Dokumentarfilm wurde an dem Abend der Film Ich würde lieber in der Wildnis verrückt werden (Raději zešílet v divočině) ausgezeichnet. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch des tschechischen Journalisten und Schriftstellers Aleš Palán und dokumentiert das Leben der eineiigen Zwillingsbrüder Franta und Ondra im Böhmerwald, die alles miteinander teilen. Zudem gewann der Film in den Kategorien beste Kameraführung sowie bester Schnitt.

Erster vietnamesischer Preisträger

Das Filmemacher-Trio Dužan Duong, Lukáš Kokeš und Jan Smutný, die das Drehbuch für den ersten tschechischen-vietnamesischen Film Sommerschule 2001 (Letní škola, 2001), verfasst haben, gewannen die Auszeichnung in der Kategorie „bestes Drehbuch“. Der Preis für den besten Nebendarsteller gewann mit Dũng Nguyễn zum ersten Mal ein vietnamesischer Schauspieler. „Für mich geht damit wirklich ein Traum in Erfüllung – Ich bin wahrscheinlich der erste Vietname, der diese Auszeichnung in Tschechien erhält. Aber für Sie sind wir alle gleich, auch weil fast jeder Zweite von uns Nguyen heißt“, erklärte Dũng Nguyễn in seiner Dankesrede.

Der Film erzählt die Geschichte von Kien, einem 17-jährigen Vietnamesen, welcher im Jahr 2001 nach zehn Jahren in Vietnam wieder ins westböhmische Eger (Cheb) zu seiner Familie zieht, die dort einen Stand auf einem vietnamesischen Markt betreibt. Die Ankunft des stillen Teenagers mit der auffälligen knallroten Frisur lässt nicht nur unterdrückte Konflikte in seiner Familie aufbrechen, sondern auch in der vietnamesischen Community brodelt es. 

Ein Abend voller Überraschungen

Überraschend konnte die slowakische Regisseurin Katarína Gramatová mit ihrem Spielfilmdebüt Der Himmel ist über mir, ich bin im Tal (Hore je nebo, v doline som ja), den Preis für die beste Regie gewinnen. „Ich hatte keine Rede vorbereitet. Ich habe zwar eine gute Fantasie, aber das hier hätte ich mir nicht einmal vorstellen können“, gestand Gramatová sichtlich bewegt. 

Den Höhepunkt des Abends markierte die Verleihung des Böhmischen Löwens für den besten Film des Jahres 2025. Schlussendlich konnte der Film Die Karavane (Karavan) der Regisseurin und Drehbuchautorin Zuzana Kirchnerová-Špidlová den Preis für sich entscheiden. Der Film erzählt die Geschichte einer Mutter, die mit ihrem Sohn, der Trisomie 21 hat, im Wohnmobil quer durch Italien reist. Zudem konnte die Schauspielerin Juliána Brutovská den Böhmischen Löwen als beste Nebendarstellerin gewinnen.

Neben Filmen wurden auch Serien und Schauspieler aus dem Fernsehen ausgezeichnet. Die sechsteilige Krimi-Serie Der Brunnen (Studna) war an diesem Abend besonders erfolgreich. Neben der Auszeichnung als beste Miniserie gingen auch die Preise der besten Schauspielerin sowie des besten Schauspielers in einer Hauptrolle in einer Fernsehserie an Johana Matoušková und David Švehlík. Als beste Nebenrolle wurden die Schauspieler Kristýna Ryška und Jan Nedbal aus der Serie König des Böhmerwaldes: Agent Chodec (Král Šumavy 2 – Agent Chodec) ausgezeichnet.

Die Moderation des 33. Böhmischen Löwen übernahm an dem Abend die Stand-up-Comedian Bianca Cristovao. Erstmals fand die Preisverleihung nicht im Rudolfinum, sondern im Prager Kongresszentrum statt.

Der Filmpreis Böhmischer Löwe (Český lev) wird seit 1993 verliehen. Die Vergabe erfolgt durch Mitglieder der Tschechischen Film- und Fernsehakademie (ČFTA), darunter Filmregisseure, Kritiker, Produzenten, Schauspieler und andere Experten. Im Rahmen der Umfrage bewerten Juroren jährlich tschechische Spielfilme, Koproduktionen oder Dokumentarfilme, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember des Vorjahres Premiere feierten. 

Tschechische Koproduktion gewinnt OSCAR

Neben den Böhmischen Löwen fanden am Wochenende die 98. Oscar-Verleihungen in Los Angeles statt. Der Dokumentarfilm Mr. Nobody Against Putin des russischen Regisseurs Pavel Talankin, welcher in Kooperation mit dem ZDF/Arte, dem BBC, dem dänischen Filminstitut sowie der tschechischen Produktionsfirma PINK produziert wurde, konnte den Preis als bester Dokumentarfilm gewinnen. 

Nach dem Einmarsch in die Ukraine verpflichtete die russische Regierung Schulen, regelmäßige patriotische Veranstaltungen abzuhalten. Pavel Talankin, Videograf und Veranstaltungskoordinator an einer Gesamtschule in Karabasch in der Oblast Tscheljabinsk, nahm dies zum Anlass, den Prozess zu dokumentieren. Gleichzeitig führte die Regierung die Pflicht ein, Aufnahmen dieser Veranstaltungen auf einem staatlichen Portal hochzuladen, um die Einhaltung der Vorgaben zu dokumentieren. Dies ermöglichte es Talankin, Treffen, Unterrichtsstunden und Besucher der Schule zu filmen, ohne Verdacht zu erregen. Talankin floh im Sommer 2024 heimlich aus Russland. Unterstützt wurde er dabei von seinen Produzenten und Borenstein, die sich für sein Asyl in Europa einsetzten.

Pavel Talankin bei der Eröffnung des Dokumentarfilmfestivals ArtDocFest in Paris am 17. November 2025. Hinter ihm ist das Festivalplakat zu sehen. Sein Film „Mr Nobody Against Putin“ war der Eröffnungsfilm der Veranstaltung.
Pavel Talankin bei der Eröffnung des Dokumentarfilmfestivals ArtDocFest in Paris am 17. November 2025. Hinter ihm ist das Festivalplakat zu sehen. Sein Film „Mr Nobody Against Putin“ war der Eröffnungsfilm der Veranstaltung. Credit: Nikita Mouravieff, Pavel Talankin ArtDocFest Paris 2025-11-17, CC BY-SA 4.0

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