Dr. Christoph Meixner, der neue Leiter des Sudetendeutschen Musikinstituts, bei seinem Antrittsvortrag.
Dr. Christoph Meixner, der neue Leiter des Sudetendeutschen Musikinstituts, bei seinem Antrittsvortrag. Credit: Markus Bauer

In seinem Antrittsvortrag als neuer Leiter des Sudetendeutschen Musikinstituts widmete sich Dr. Christoph Meixner der Rolle Böhmischer Musik im KZ Buchenwald.

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Festsaal des Bezirks Oberpfalz am Januar in Regensburg, anlässlich des Antrittsvortrags des neuen Leiters des Sudetendeutschen Musikinstituts (SMI), Dr. Christoph Meixner, zum Thema „Zwischen Hoffnung und Vernichtung. Böhmische Musik im KZ Buchenwald“.

KZ-Insassen spielten im Orchester

Zunächst skizzierte Meixner die Rolle der Musik im Kontext von Konzentrationslagern. „Es geht um die Musik, die in den Konzentrationslagern erklungen ist, gespielt von den Lagerinsassen selbst, häufig auch komponiert von Menschen, die Noten schreiben konnten“, stellte er einleitend fest. Schwierig seien oft die Beschaffung von Noten und Instrumenten gewesen – mit Auswirkungen auf die musikalische Qualität. Auch die Umstände, unter denen die Auftritte erfolgten – etwa bei Hinrichtungen, wo die Musik als Hintergrundmusik fungierte, erwähnte Meixner zum Einstieg. Das KZ Buchenwald (1937-1945) sei ein Arbeitslager gewesen, das wirtschaftlich tätig sein musste. Sehr bald habe es eine Lagerkapelle gegeben. Deren Niveau sei durch professionelle Musiker aus verschiedenen Ländern angehoben worden, von zwölf sei das Ensemble auf 38 Mitglieder gewachsen. 1940 sei eine „ordentliche Blaskapelle“ zusammengestellt worden. „Im Laufe der Zeit etablierte sich ein fast normaler Konzertbetrieb in einem Lagerkino“, schilderte der SMI-Leiter und verwies zudem auf „illegale“ Veranstaltungen – etwa Kammerkonzerte – und die Gründung einer Jazzband. 

Kompositionen aus dem Lager

Detailliert – auch wegen der späteren Rezeption in der DDR – ging Meixner auf das 1938 entstandene Buchenwald-Lied und dessen Entstehung sowie die Probenarbeit dafür im tiefsten Winter im Lager ein. Komponiert hat es Hermann Leopoldi (1888-1959), getextet Fritz Löhner-Beda (1883-1942). Im Lied geht es um den Lageralltag, der Refrain will Hoffnung vermitteln: „Wir wollen ‚Ja‘ zum Leben sagen, denn einmal kommt der Tag – dann sind wir frei.“ Als weiteren, im KZ Buchenwald tätigen Komponisten stellte Meixner den aus Prichowitz (Příchovice) bei Pilsen (Plzeň) stammenden Lehrer und Komponisten Ondréj Volráb (1879-1970) vor. Als Hörbeispiele erklangen im Rahmen des Vortrags der Konzertwalzer Unter fremdem Himmel und zwei seiner acht Buchenwald-Märsche: Der Freiheit entgegen und Erinnerung an Buchenwald. Letzterer erklang auch beim Aus- und Einmarsch der Arbeiterkolonnen. Meixner wies darauf hin, dass Volráb nach dem Luftangriff auf Weimar einen Trauermarsch mit dem Titel Als mein Kamerad umkam schrieb.

Lagerlieder als sozialistische Propaganda

Im abschließenden Abschnitt widmete sich der SMI-Leiter der Erinnerungskultur in der DDR, vor allem nach dem Mauerbau. Dabei wurden Titel und Textpassagen geändert, aus einem Marschlied wurde eine Hymne – auch als Ausdruck des Sieges über den Faschismus und zum Aufbau des Sozialismus. Näher ging Meixner auf den in Brünn geborenen und nach der Vertreibung in Weimar verbliebenen Dr. Theodor Hlouschek (1923-2010) und dessen kompositorisches Wirken ein. Hlouschek hat unter anderem die Lieder Mama (neuer Titel Meine Mutter) und Morgendämmerung (Sehet das Morgenrot) aus dem ursprünglich 1940 entstandenen und 1945 in Pilsen gedruckten Buchenwalder Liederbuch bearbeitet. Unmittelbar nach dem Mauerbau hätten einige dieser Lieder „als typische sozialistische Propaganda-Lieder“ gedient, fasste Meixner zusammen. Als Konsequenz für das Handeln – und auch für das Wirken des SMI – schloss Meixner: „Erinnerungskultur bedarf stets einer entsprechenden Bildungskultur, die darauf angelegt ist, Ergebnisse aktueller Forschungen in die Erinnerung mit aufzunehmen. Bleibt diese Aktualisierung aus, droht mangels Zeitzeugen nicht nur eine zunehmende Verfälschung durch falsche Interpretationen, sondern auch eine Erstarrung, die schlimmstenfalls zu einem inhaltsleeren Ritual degeneriert.“

Die Erwartungen an Meixner sind hoch

Im Vorfeld des Vortrags verdeutlichte Bezirksheimatpfleger Tobias Appl in seiner Begrüßung, dass das SMI das Erbe einer konkreten übernationalen Kultur, ja der „internationalen Sprache der Musik“ bewahre. Der ebenfalls anwesende Bezirkstagspräsident Franz Löffler bezeichnete Dr. Christoph Meixner als „ausgewiesenen Experten“ in den Bereichen Musikwissenschaft und Kulturgeschichte. Als vorrangige Aufgaben des neuen Leiters sieht Löffler die weitere Entwicklung des Instituts und „neue Impulse in einer bewegten Zeit“. Mit Blick auf unterschiedliche aktuelle Herausforderungen sei für Löffler heute „Geschichte nötiger denn je“, weshalb der Bezirk Oberpfalz der Erinnerungskultur einen eigenen Arbeitskreis gewidmet habe. Den Termin des Antrittsvortrags von Dr. Christoph Meixner, so kurz vor dem Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, betrachtete Löffler als Zeichen der Bedeutung von Erinnerungskultur.

das könnte sie auch interessieren

„Dvořákova Praha“: Musikalische Hommage an Dvořák

Mit dem Festival „Dvořáks Prag“ verwandelt sich die tschechische Hauptstadt in ein Zentrum der Klassik. Internationale Stars und tschechische Spitzenmusiker huldigen dem berühmtesten Komponisten des Landes – von „Aus der Neuen Welt“ bis zu selten aufgeführten Liedern.

Mehr…

Werden Sie noch heute LandesECHO-Leser.

Mit einem Abo des LandesECHO sind Sie immer auf dem Laufenden, was sich in den deutsch-tschechischen Beziehungen tut - in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur. Sie unterstützen eine unabhängige, nichtkommerzielle und meinungsfreudige Zeitschrift. Außerdem erfahren Sie mehr über die deutsche Minderheit, ihre Geschichte und ihr Leben in der Tschechischen Republik. Für weitere Informationen klicken Sie hier.