In der vergangenen Woche fand zum dritten Mal die Eiskunstlauf-WM in Prag statt. Landesbloggerin Lena Hänke hat sich den Wettkampf von Näherem angesehen.

Nur das Schneiden der Schlittschuhe auf dem Eis ist zu hören. Es herrscht Ruhe in der O2-Arena in Prag, während die Eiskunstläuferinnen sich in Position begeben. Zum dritten Mal findet hier die Weltmeisterschaft im Eiskunstlauf statt. Ein Besuch bei einem solchen Wettbewerb ist für mich erstmalig. Zuvor schaute ich die Olympischen Spiele 2026 im Fernsehen und als die Moderatorin nebenbei erwähnte, dass die Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Prag stattfinden sollte, wurde ich hellhörig. Denn genau zum Zeitpunkt der Veranstaltung absolviere ich mein Praktikum in Prag. Mir war klar, dass ich einem Besuch nicht entkommen konnte.

Wie schnell kannst du dich drehen?

Am 25. März 2026 verschlägt es mich deshalb zum Kurzprogramm der Frauen. Nach einer 30-minütigen Straßenbahnfahrt zur Station Arena Libeň jih begebe ich mich in die O2 Arena, die vom 24. bis zum 29. März der Veranstaltungsort der von der Internationalen Eislaufunion (ISU) und dem tschechischen Eiskunstlaufverbund (ČKS) organisierten Weltmeisterschaft ist. Die letzten Austragungen des Wettbewerbs in Prag fanden in den Jahren 1962 und 1993 statt.

Besucherinnen und Besucher können im Fan-Dorf, der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft 2026 in Prag, selbst testen, wie schnell sie sich drehen können.
Besucherinnen und Besucher können selbst testen, wie schnell sie sich drehen können. Credit: Lena Hänke

Bevor ich meinen Sitzplatz suche, weist mich ein Schild auf das sogenannte Fan- und Shopping-Dorf (Fan & Shopping Village) hin. Hier können Fans Merchandise und Eiskunstlauf-Ausrüstung erwerben, selbst die aufwändig gestalteten Outfits der Eiskunstläuferinnen stehen zum Verkauf. Die Besucherinnen und Besucher haben außerdem die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, indem sie testen, wie hoch sie springen und wie schnell sie sich drehen können. Weiterhin finden hier Medaillen-Zeremonien und Autogrammstunden statt.

The pressure’s on, you feel it

Die Arena ist beim Betreten in dunkelblaues Licht gehüllt. In den unteren Sitzreihen ist noch die Kälte der Eisfläche zu spüren, während ich mich die Treppe weiter hoch zu meinem Platz in einem der oberen Ränge begebe. Es läuft lautstarke Musik und wiederholt werden Zuschauerinnen und Zuschauer auf dem Anzeigewürfel gezeigt, der sich an der Decke der Arena befindet. „The pressure’s on, you feel it, but you got it all, believe it“, erklingt Shakiras Stimme über die Lautsprecher mit ihrem Song Waka Waka (This Time For Africa), denn der Druck ist deutlich spürbar. Der Text klingt wie eine Ermutigung für die Eiskunstläuferinnen, während ich auf dem Bildschirm sehe, wie zwei Mädchen die rumänische Flagge hochhalten. Zur Einführung des Wettkampfes beginnt nach der tschechischen Nationalhymne ein Countdown, der die Spannung in der Arena steigen lässt.

Tschechische Teilnehmerin erhält viel Applaus

Barbora Vránková nahm als einzige tschechische Teilnehmerin am Kurzprogramm der Frauen bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft 2026 in Prag teil.
Barbora Vránková nahm als einzige tschechische Teilnehmerin am Kurzprogramm der Frauen teil. Credit: Lena Hänke

Nacheinander laufen die fünf Teilnehmerinnen des ersten Durchlaufes ein, dabei erkennt man vermehrt Flaggen – vor allem tschechische –, die von den Zuschauerinnen und Zuschauern hochgehalten werden. Den Anfang macht die tschechische Teilnehmerin Barbora Vránková. Das Publikum tobt, während sich ein Scheinwerfer beim Einlaufen auf die Gewinnerin der nationalen tschechischen Meisterschaft 2025 richtet. Um den Anzeigewürfel herum erscheinen die LEDs in den Farben der jeweiligen Nation. Danach haben die Kandidatinnen sechs Minuten Zeit, um sich auf der Eisfläche aufzuwärmen.

Beim Kurzprogramm handelt es sich – gemeinsam mit der Kür, um die es hier aber nicht gehen soll – um eine der Hauptdisziplinen im Eiskunstlauf. Im Mittelpunkt bei einem Kurzprogramm steht „eine ausgewogene Kombination aus technischem Schwierigkeitsgrad, Skating-Fähigkeiten und künstlerischem Ausdruck“, so die Internationale Eislaufunion (ISU). Dabei soll eine vorgegebene Struktur Pflichtelemente in eine Choreo integrieren, während die Eiskunstläuferinnen die Musik frei auswählen dürfen. Vránková beginnt, in einem blau-silbernen Kleid über die Eisfläche zu gleiten und erhält am Ende viel Applaus für ihr Kurzprogramm zum Song Clouds, The Mind on the (Re)Wind von Ezio Bosso, trotz einem ungültigen Sprung.

Zuschauer werfen Kuscheltiere für Kurzprogramm

Der Bildschirm überträgt die Couch, auf der die Eiskunstläuferinnen ihre Bewertung, für das Kurzprogramm der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft 2026, erfahren.
Der Bildschirm überträgt die Couch, auf der die Eiskunstläuferinnen ihre Bewertung erfahren. Credit: Lena Hänke

Die Auswertung erhält Vránková, während sie auf einer kleinen Couch am Rande der Eisfläche sitzt, was ich nur von Weitem sehe. Ihren angespannten Blick erkenne ich nur in der Übertragung auf den Anzeigewürfel. Im Vergleich zur vorherigen lauten Musik klingen jetzt leise Töne aus den Lautsprechern, sie ähneln einem Herzschlag. Schließlich wird das Ergebnis angekündigt: Die tschechische Kandidatin erhält 50,59 Punkte. Es handelt sich um ihr bestes Ergebnis der Saison, das in der letzten Runde des ersten Durchlaufes nur noch von der Chinesin Ruiyang Zhang mit 58,96 Punkten übertrumpft wird. Insgesamt finden sechs Durchläufe mit jeweils fünf oder sechs der insgesamt 33 Kandidatinnen statt. Dabei hat jede Eiskunstläuferin nur eine Runde, um ihr Kurzprogramm zu präsentieren. Der Fokus der Bewertung liegt vor allem auf „Kantennutzung, Geschwindigkeit, Bewegungsflüssigkeit und musikalische Interpretation“, so die ISU. Trotzdem wird nicht nur die Technik der Elemente bewertet, sondern auch die Gesamtqualität. Basierend auf diesen Kriterien werden dann Punkte an die Teilnehmerinnen vergeben. Die Teilnehmerin mit den meisten Punkten setzt sich durch.

Nach einem Programm werden Kuscheltiere für die Eiskunstläuferinnen bei der Eiskunstlauf Weltmeisterschaft 2026 geworfen.
Nach einem Programm werden Kuscheltiere für die Eiskunstläuferinnen geworfen. Credit: Lena Hänke

Nach jeder Runde, die eine Länge von zwei Minuten und 40 Sekunden betragen soll, werden Kuscheltiere von den Zuschauerrängen auf die Eisfläche geworfen, eine alte Tradition beim Eiskunstlauf. 

Die Bewertung des Publikums zeichnet sich meist durch die Lautstärke des Klatschens ab. So herrscht vor jedem Programm Ruhe auf den Rängen, derweil sich die Eiskunstläuferinnen in Position begeben. Erst bei den Sprüngen jubeln die Zuschauerinnen und Zuschauer. Einen tosenden Applaus bekommt außerdem die polnische Teilnehmerin Ekaterina Kurakova, mit einem großen Lächeln im Gesicht verlässt sie die Eisfläche. Jeder Sturz einer Läuferin folgt in Unterstützung mit einem Klatschen, wie bei der Österreicherin Olga Mikutina, die trotz Fehler die Chinesin Zhang überholt.

Nach jeweils zwei Durchgängen bewegen sich Maschinen auf die Oberfläche, um das Eis wieder aufzubereiten. Denn inzwischen sehe ich deutliche Linien, von den Kanten der Schlittschuhe in die Eisoberfläche graviert. Zuschauer werden währenddessen mit einer „Dance Cam“ (Tanz-Kamera) und lauter Musik zum Tanzen ermutigt. Gleichzeitig schweben bunte Lichter über die Zuschauerränge.

Emotionaler Abschied eines Olympia-Stars

Die letzten zwei Durchgänge starten mit einer Anspannung, denn alle wissen: Jetzt entscheidet sich, wer das Kurzprogramm gewinnt. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Unter den Scheinwerfern glitzern die Pailletten des Outfits der Japanerin Ami Nakai, zuvor gewann sie Bronze bei den Olympischen Spielen 2026, doch sie überholt die Belgierin Nina Pinzarrone nicht, die zuvor ihre beste Punktzahl der Saison mit 71,82 Punkten erreichte.

Auf dem Anzeigewürfel bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in Prag kann jede Teilnehmerin ihren persönlichen Spruch darstellen. Amber Glenn bedankt sich, dass ihre Fans an sie glauben.
Auf dem Anzeigewürfel kann jede Teilnehmerin ihren persönlichen Spruch darstellen. Credit: Lena Hänke

Mit einer Kombination aus dem sogenannten dreifachen Lutz und Rittberger übernimmt Isabeau Levito (USA) kurzzeitig die Führung, bevor sie den Platz an ihre Teamkollegin Amber Glenn (USA) abgeben muss. Der Lutz ist ein Sprung, bei dem sich die Läufer entgegen der Anlaufkurve in der Luft drehen und mithilfe der Kufenspitze vom einen Fuß abspringen und auf dem anderen landen, während beim Rittberger ohne Hilfe der Kufenspitze vom selben Fuß abgesprungen und auf ihm gelandet wird. Auch Glenn ist eine Publikumsfavoritin, mit ihrer Performance zum Song Like A Prayer von Madonna konnte sie zuvor bei den Olympischen Spielen auftreten und das Publikum für sich gewinnen. Ein ungültiger dreifacher Rittberger kostete sie am Ende die Olympia-Medaille, doch in der Weltmeisterschaft gleitet sie fehlerfrei über die Eisfläche. „Danke, dass ihr an mich glaubt“, steht auf dem Anzeigewürfel vor ihrem Programm, ein ausgewählter Spruch der jeweiligen Kandidatinnen, die man im Fernsehen nicht sehen kann.

Kaori Sakamoto wählt beim Kurzprogramm der Frauen, bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft 2026 in Prag, den Song „Time To Say Goodbye“ für ihr Programm.
Kaori Sakamoto wählte den Song Time To Say Goodbye für ihr Kurzprogramm. Credit: Lena Hänke

Einen emotionalen Abschied bietet die Japanerin Kaori Sakamoto, Silber-Medaillistin der Olympischen Spiele 2026, die den Song Time To Say Goodbye für ihre wahrscheinlich letzte Weltmeisterschaft wählte. Zahlreiche Fans der Eiskunstläuferin halten japanische Flaggen hoch, während sie sich mit ihrem Programm den ersten Platz sichert. Ein Kreis schließt sich in diesem Augenblick, denn im Jahr 2013 hatte die Japanerin ihr internationales Debüt gemeinsam mit Amber Glenn bei den ISU-Junior-Grand Prix in der tschechischen Stadt Ostrau (Ostrava).

Einen wortwörtlichen letzten Tanz führt die Japanerin Mone Chiba mit dem Song Last Dance auf. Sie erhielt bei der letzten Weltmeisterschaft in Boston die Bronzemedaille und landete diesmal nach ihrem Kurzprogramm auf dem zweiten Platz.

Eiskunstlauf aus nächster Nähe

Das Zwischenergebnis vor der Kür, die den Sportlerinnen mehr Freiheiten als das Kurzprogramm bietet, besteht aus Kaori Sakamoto (Japan) auf dem ersten, Mone Chiba (Japan) auf dem zweiten und Amber Glenn (USA) auf dem dritten Platz.

Sonst konnte ich die Eiskunstläuferinnen immer nur im Fernsehen bewundern, aus der Nähe ist es nochmal ein ganz anderes Gefühl. Die Emotionen auf den Gesichtern der Kandidatinnen sind nun viel nahbarer, während die Kunst des Schlittschuhlaufens in einer Arena noch eindrucksvoller wirkt als auf einem Bildschirm.

Lena Hänke

Liebe Leser und Leserinnen des LandesEcho,

mein Name ist Lena Hänke und ich komme aus dem kleinen Dorf Sietow bei Waren (Müritz) in Mecklenburg-Vorpommern. In den nächsten drei Monaten werde ich ein Praktikum in der Redaktion des LandesEcho in Prag absolvieren. Als Journalismus-Studentin der Hochschule Magdeburg-Stendal freue ich mich, hier in den nächsten Wochen viele praktische Erfahrungen sammeln zu können. Erste Einblicke in den Journalismus konnte ich bereits bei der MüritzZeitung der Nordkurier Mediengruppe gewinnen. Aufgrund meines Interesses an Fotografie, Literatur und gesellschaftlichen Themen wurde mir bereits in der Schulzeit schnell bewusst, dass ich im journalistischen Bereich arbeiten möchte. Da ich darüber hinaus gerne verreise, freue ich mich umso mehr, im Rahmen meines Praktikums beim LandesEcho journalistische Arbeit mit der Erkundung Prags und Tschechiens verbinden zu können.

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