Mit ihrer neuen Biografie über den Auswanderer Joseph Spielmann erzählt Barbara Ortwein eine fast vergessene deutsch-böhmische Erfolgsgeschichte in den USA – rechtzeitig zum 250. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit.
Spillville im US-Bundesstaat Iowa ist Musikliebhabern weltweit ein Begriff. Hier verbrachte Antonín Dvořák im Jahr 1893 einen Sommer, der ihn nachhaltig prägte. Doch die Existenz dieses Ortes geht auf einen anderen Europäer zurück: den fränkischen Auswanderer Joseph Spielmann (1801–1888). Ihm widmet die in Prag lebende Autorin Barbara Ortwein nun eine umfangreiche Biografie.
Eine lang erwartete Biografie
„Nachdem ich meinen Dvořák-Roman in und um Spillville vorgestellt hatte, wurde ich von meinem Publikum beschworen, endlich eine Biografie über den von ihnen verehrten Joseph Spielmann zu schreiben“, berichtet Ortwein über die Entstehung ihres neuen Buches Aus Franken zum Mississippi – Joseph Spielmann, Iowas bayerischer Pionier. Seit 2018 lebt die deutsche Autorin in Prag und beschäftigt sich intensiv mit der Auswanderung aus den böhmischen Ländern im 19. Jahrhundert. Erste Begegnungen mit den Nachfahren böhmischer Siedler hatte sie bei Recherchen zu ihrem Roman Der Sommer 1893 in Spillville, der sowohl die Familie Dvořáks als auch sie selbst erstmals ins ländliche Iowa führte. „Staunend musste Dvořák erkennen, dass sich seit den 1850er Jahren in Spillville so viele Böhmen niedergelassen hatten, dass die ursprüngliche deutsche Bevölkerung zur Minderheit wurde“, schreibt Ortwein über jene Zeit.
Lebensgeschichte eines Pioniers
Der Gründer des Ortes war jedoch ein Deutscher: Joseph Spielmann aus Dietersdorf bei Seßlach in Oberfranken. Nach ersten Stationen in Indiana zog er 1860 mit seiner Familie in den Nordosten Iowas und baute dort durch Landkäufe, Mühlen und Geschäfte ein beachtliches Vermögen auf. Als 1854 die ersten böhmischen Siedler eintrafen, half er ihnen beim Neuanfang. „Seine christlich motivierte Unterstützung führte dazu, dass sich der amerikanische Traum auch für die böhmischen Siedler erfüllte“, so Ortwein. Spielmann wurde in Iowa gleichermaßen als Wohltäter der Deutschen wie der Böhmen geschätzt. Seine Geschichte erzählt von wirtschaftlichem Mut, religiöser Prägung und interkultureller Solidarität – Themen, die auch heute noch aktuell erscheinen. Für ihre Recherchen reiste Ortwein nach Iowa, Franken, Thüringen, Hamburg und New York. Das Ergebnis ist eine historisch fundierte, zugleich spannend erzählte Lebensgeschichte, die nun auch in englischer Sprache unter dem Titel From Franconia to the Mississippi – Joseph Spielmann, Iowa’s Bavarian Pioneer vorliegt.

Erstmals arbeitete Ortwein dabei mit dem Haus der deutsch-tschechischen Verständigung (Dům Česko-Německého Porozumění) in Gablonz (Jablonec nad Nisou) zusammen. Ihr neues Buch stellte die Autorin bereits unter anderem an einigen Originalschauplätzen in Franken vor. Weitere Lesungen, begleitet von deutscher und amerikanischer Musik aus Spielmanns Zeit, sind geplant.
Barbara Ortweins deutsche und englische Bücher über Antonín Dvořák sind sowohl im Prager Dvořákmuseum (Ke Karlovu 462/20) als auch im neuen Museum im Geburtshaus des Komponisten in Mühlhausen an der Moldau (Nelahozeves) (Kralupská 12) erhältlich. Das neue Buch über Joseph Spielmann sowie alle anderen ihrer Bücher können von der Autorin direkt bezogen werden unter barbaraortwein933@gmail.com.
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