Tschechiens Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beim Treffen am Donnerstag, den 5. Februar 2026, in Berlin.
Tschechiens Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beim Treffen am Donnerstag, den 5. Februar 2026, in Berlin. Credit: X/ Karel Havlíček

Tschechien und Deutschland könnten künftig im Bereich kleiner modularer Reaktoren (SMR) zusammenarbeiten. Dies erklärte Tschechiens Minister für Industrie und Handel und Vizepremier Karel Havlíček nach einem Treffen mit der deutschen Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, in Berlin.

„Da die Tschechische Republik über ČEZ auch Miteigentümerin des Unternehmens Rolls-Royce ist, das kleine modulare Reaktoren herstellt, sind wir natürlich daran interessiert, dass diese kleinen modularen Reaktoren auch in andere Länder gelangen und dass auch die tschechische Industrie daran beteiligt ist“, sagte Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) bei dem Treffen mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche am Donnerstag in Berlin. Laut Havlíček habe sich Reiche interessiert am Stand der SMR-Entwicklung in Tschechien gezeigt und nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft auch in Deutschland kleine modulare Reaktoren genutzt werden könnten.

Havlíček zeigte sich zudem erfreut über den Richtungswechsel in der deutschen Energiepolitik: „Deutschland beginnt zu erkennen, dass es Fehler gemacht hat, gibt dies zu und ist bereit, eine ganze Reihe von Dingen anders anzugehen.“ Nach dem Reaktorunglück von Fukushima 2011 hatte Deutschland unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Im April 2023 wurden die letzten drei Atomkraftwerke vom Netz genommen. Deutschlands aktueller Kanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete den Ausstieg aus der Atomkraft als „strategischen Fehler“ und möchte einen Wiedereinstieg prüfen – gegebenfalls auch mithilfe der SMR-Technologie.

Um eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien im Bereich Kernenergie dürfte es voraussichtlich auch kommenden Montag gehen, wenn Tschechiens Premierminister Andrej Babiš in München mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) zusammentrifft. Industrie- und Handelsminister Havlíček soll Babiš zu dem Treffen begleiten.

SMR (Small Modular Reactors) sind kleine, modulare Kernreaktoren, die als moderne Ergänzung zu großen Atomkraftwerken gedacht sind. SMR-Reaktoren gelten als kompakter, günstiger und schneller zu bauen als klassische Atomkraftwerke. Sie können in Serie vorgefertigt werden und sollen sich im Ernstfall selbst abschalten können. Trotz technischer Vorteile wie geringerer CO₂-Emissionen bestehen Bedenken wegen mangelnder Betriebserfahrung und ungelöster Endlagerung des Atommülls. SMR sind Teil der tschechischen Energiestrategie. Geplant ist der Bau von SMR-Reaktoren am bestehenden Kernkraftwerksstandort Temelín oder auf dem Gelände des stillzulegenden Braunkohlekraftwerks Tušimice in Nordböhmen, etwa 17 Kilometer von der Grenze zu Sachsen entfernt.

Havlíček lehnt Europa der zwei Geschwindigkeiten ab

Während seines Besuchs in Berlin kommentierte Havlíček außerdem die Möglichkeit der Entstehung eines „Europa der zwei Geschwindigkeiten“. Die Idee einer engeren Zusammenarbeit der sechs führenden Volkswirtschaften war kürzlich vom deutschen Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ins Spiel gebracht worden. Laut Havlíček wolle die tschechische Regierung die europäische Zusammenarbeit aller 27 Mitgliedsstaaten unterstützen und nicht zulassen, dass die EU schrittweise fragmentiert wird. „Das hilft letztendlich niemandem“, erklärte der tschechische Vizepremier.

In den Gesprächen mit Ministerin Reiche und dem deutschen Minister für Digitalisierung, Karsten Wildberger (CDU), sei die Frage eines Europas der zwei Geschwindigkeiten allerdings nicht zur Sprache gekommen.

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