Im Vorfeld des geplanten Sudetendeutschen Tags in Brünn (Brno) sorgt die politische Debatte für Verunsicherung unter Teilen der deutschen Minderheit in Tschechien. Der Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine ruft dazu auf, sich davon nicht abschrecken zu lassen und an der Veranstaltung teilzunehmen.
Der diesjährige Sudetendeutsche Tag, der vom 22. bis 25. Mai in Brünn und damit erstmals in der Tschechischen Republik stattfindet, wird bereits im Vorfeld kontrovers diskutiert. Kritische Stimmen aus der tschechischen Öffentlichkeit – vor allem aus dem rechtsnationalen wie kommunistischen Umfeld – begleiten die Planungen. Zugleich gibt es auch innerhalb der deutschen Minderheit unterschiedliche Einschätzungen, vor allem mit Blick auf die Sicherheitslage und die öffentliche Wahrnehmung der Veranstaltung. Insbesondere bestehen Bedenken, dass die deutsche Minderheit in den Fokus politischer Agitation geraten könnte.
Vor diesem Hintergrund hat sich Richard Neugebauer, der Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, mit einem offenen Brief an die Vorsitzenden, Funktionäre und Mitglieder der Vereine gewandt. Darin reagiert er auf geäußerte Bedenken und wirbt dafür, den Sudetendeutschen Tag als Teil der eigenen Geschichte und Identität selbstbewusst mitzugestalten.
Sehr geehrte Vorsitzende und Funktionäre, liebe Mitglieder der Vereine!
Der bevorstehende Sudetendeutsche Tag in Brünn ruft bei seinen Gegnern immer lautere, zahlreichere und schärfere Reaktionen hervor. Wir Einheimischen wissen, dass diese Extremisten nur einen kleinen Teil der tschechischen Gesellschaft ausmachen. Aber wir leben unser ganzes Leben hier und wissen sehr wohl, dass selbst die schweigende Mehrheit es begrüßen würde, wenn dieser traditionelle Feiertag der tschechischen Deutschen wieder in Deutschland stattfände.
In letzter Zeit habe ich von unseren Mitgliedern Bedenken gehört. Einige überlegen, ob sie überhaupt nach Brünn fahren sollen. Wir können niemanden zwingen. Jeder sollte es selbst entscheiden.
Ich möchte Ihnen nur sagen: Sie wissen genau, dass ich nicht gezielt nach dem Amt des Präsidenten gestrebt habe. Aber da ich es nun einmal bin, muss ich mich entsprechend verhalten. Ich werde definitiv nach Brünn fahren. Ich werde ruhig neben Bernd Posselt auf dem Podium stehen, ich bin bereit, mit jedem zu diskutieren und meine Position würdevoll, aber konsequent zu verteidigen. Wir sind keine Gäste beim Sudetendeutschen Tag, wir sind ein Teil davon!
Ich fahre nicht nur als Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine nach Brünn, sondern auch als Nachkomme von Vorfahren, die nachweislich seit über 400 Jahren hier leben! Meine Vorfahren haben in den Jahren 1938–1945 keine Verbrechen begangen, aber selbst wenn, wäre es nicht meine Schuld gewesen. Würde ich nicht nach Brünn fahren, würden sie sich im Grabe umdrehen. Ich fühle mich hier zu Hause wie alle anderen Bürger dieses Landes!
Ihr Richard Neugebauer

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