Der tschechische Konzern Agrofert plant, 120 Millionen Euro in Sachsen-Anhalt zu investieren. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze begrüßt die Entscheidung. Vergangene Woche war er zu Besuch in Prag.

Der tschechische Konzern Agrofert plant eine Investition von insgesamt 120 Millionen Euro in den Agro-Chemiepark Piesteritz in der Lutherstadt Wittenberg, in Sachsen-Anhalt. An dem wichtigen Industriestandort besitzt Agrofert gleich mehrere Unternehmen: Etwa 50 Millionen Euro fließen in die SKW Stickstoffwerke Piesteritz, 70 Millionen Euro gehen in den Ausbau der Produktionskapazitäten des Backwarenherstellers Lieken. Dies kündigte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) an, nachdem er sich am vergangenen Dienstag in Prag mit der Unternehmensführung von Agrofert getroffen hatte.

Schulze betont Bedeutung von Sachsen-Anhalts Chemieindustrie

Seit der Übernahme durch die Unternehmensgruppe Agrofert im Jahr 2002 – damals noch unter der Führung des Unternehmers und heutigen Premierministers Andrej Babiš (ANO) – ist der Umsatz der SKW Stickstoffwerke stark gestiegen. Heute ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der größte Harnstoff- und Ammoniakproduzent Deutschlands. Zusammen mit dem Backwarenhersteller Lieken, bekannt durch Marken wie „Lieken Urkorn“ (Vollkornbrot) oder „Golden Toast“, investierte Agrofert seit 2005 über 1,6 Milliarden Euro in den Agro-Chemiepark Piesteritz. Laut der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt arbeiten an dem Standort etwa 2500 Menschen, weitere 10.000 Arbeitsplätze in der Region hängen direkt von dem Standort ab. „Die Chemieindustrie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft in Sachsen-Anhalt“, erklärte Ministerpräsident Schulze am vergangenen Dienstag in einer Pressemitteilung.

Auch Treffen mit Babiš Teil von Schulzes Prag-Besuch

Gemeinsam mit Unternehmen und Verbänden will sich die Landesregierung Sachsen-Anhalts auch künftig auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene für die Chemiebranche einsetzen. Sie erwirtschaftet rund ein Fünftel des Umsatzes des verarbeitenden Gewerbes im Land.

Schulze unterstützt eine Reform des CO2-Zertifkatehandels, fordert Bürokratieabbau und insgesamt bessere Rahmenbedingungen für die europäische Industrie. „Gerade in der aktuellen Situation ist es entscheidend, dass Politik und Industrie im engen Dialog bleiben“, erklärt Schulze. Im Rahmen seiner ersten Auslandsreise in Prag sprach der Landeschef deshalb auch mit Premierminister Andrej Babiš, unter anderem über die Zusammenarbeit in Energiefragen sowie über die Automobilindustrie und den Handel mit Emissionszertifikaten.

Genauso wie Schulze setzt sich auch die Regierung von Andrej Babiš für eine Reform des CO2-Zertfikathandels ein. „Ich freue mich, dass wir uns mit dem Ministerpräsidenten darin einig sind, dass der aktuelle Zustand unhaltbar ist“, teilte Babiš im Anschluss an den Besuch von Schulze auf X mit.

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