Es ist ein Meilenstein der deutsch-tschechischen Beziehungen: Im Interview mit dem LandesEcho spricht Petr Kalousek, Mitbegründer des Festivals Meeting Brno, über den Sudetendeutschen Tag, der auf dessen Initiative hin vom 22. bis zum 25. Mai erstmals in seiner Geschichte in Tschechien stattfinden wird.
LE: Hätten Sie sich jemals vorstellen können, dass Ihre Vision des Sudetendeutschen Tages in Brünn (Brno) einmal Wirklichkeit werden könnte?
Es war zu Beginn von Meeting Brno, ungefähr 2016, als David Macek das erste Mal am Sudetendeutschen Tag in Deutschland teilnahm, und auf Facebook die Frage stellte, warum der Sudetendeutsche Tag nicht einmal in der sogenannten „alten Heimat“ ausgerichtet wird, in Brünn, wo der Stadtrat ein Jahr zuvor, 2015, der Versöhnungserklärung zugestimmt hatte. Aus der anfänglichen Schnapsidee wurde mehr als das, sie wurde zu einem Traum von David und mir, und zum Traum vieler vertriebener Deutscher, deren Familiengeschichte immer noch mit der heutigen Tschechischen Republik verbunden ist. Alles begann also bereits vor zehn Jahren, und nachdem wir im letzten Jahr gegenüber der Sudetendeutschen Landsmannschaft unsere Einladung ausgesprochen hatten, da war ich sicher, dass es passieren würde. Du musst dir einfach sicher sein, denn wenn du zweifelst, dann wird es auch nicht passieren.
LE: Als jemand, der sich jahrelang für die deutsch-tschechischen Beziehungen einsetzt: Was fühlen Sie, wenn Sie an den Sudetendeutschen Tag in Brünn denken? Sind Sie froh oder aufgeregt?
Ich bin etwas nervös, aber in erster Linie freue ich mich auf die Atmosphäre. Wir bekommen mit, dass einige Menschen gegen die Entscheidung sind, den Sudetendeutschen Tag in Brünn stattfinden zu lassen, doch wir tun alles, dass die Veranstaltung in guter, freundschaftlicher Atmosphäre verläuft. Als ich im letzten Jahr in Regensburg die Einladung ausgesprochen habe, war mir wichtig zu betonen, dass wir uns nicht als Gäste und Gastgeber, sondern als Freunde treffen, die ein neues Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte schreiben. Das ist das, worauf wir hinwirken wollen, auch wenn einige Menschen das anders sehen.
LE: Wie ist Meeting Brno in die Organisation des Sudetendeutschen Tages involviert?
Wir haben die Einladung ausgesprochen und fungieren gerne als Impulsgeber, aber richtig organisiert wird der Sudetendeutsche Tag von Andreas Miksch [dem Bundesgeschäftsführer der Sudetendeutschen Landsmannschaft; Anm. d. Red.] und seinem Team, die einen fantastischen Job machen. Zwar wirken wir auch am Programm mit und vermitteln Partner und Firmen, die vor Ort bei der Organisation unterstützen, aber die Organisation liegt hauptsächlich bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft selbst.
Petr Kalousek ist Mitbegründer des Festivals Meeting Brno. Das Festival entstand aus der Initiative Jahr der Versöhnung, in deren Rahmen die Stadt Brünn im Jahr 2015 ihr Bedauern über die brutale Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg ausdrückte. Im selben Jahr fand auch der erste Brünner Versöhnungsmarsch statt – eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird. Heute ist Meeting Brno eine anerkannte Plattform für den deutsch-tschechischen Dialog und wurde zu Beginn letzten Jahres mit der Goldenen Verdienstmedaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet.
LE: Wie wird der Versöhnungsmarsch, der sonst immer als separate Veranstaltung von Meeting Brno organisiert wird, in den diesjährigen Sudetendeutschen Tag integriert sein?
Den Versöhnungsmarsch von Pohrlitz nach Brünn organisieren wir seit 2015 als Teil unseres Festivals Meeting Brno. Anders als in den vorherigen Jahren werden wir in diesem Jahr nicht im Augustinergarten am Mendelplatz enden, sondern weiter zur Messehalle ziehen, wo wir dann zum Programm dazustoßen werden.
LE: Welchem politischen Druck sehen Sie sich im Vorfeld des ersten Sudetendeutschen Tages in Tschechien ausgesetzt?
Ich frage mich ob „politischer“ Druck die richtige Bezeichnung ist. Die Menschen, die gegen den Sudetendeutschen Tag Stimmung machen, sind in meinen Augen keine richtigen Politiker: Politiker können verschiedene Meinungen und verschiedene Standpunkte haben, aber sie sollten andere niemals angreifen oder einschüchtern. Bei denjenigen, die gegen den Sudetendeutschen Tag sind, handelt es sich um Extremisten und Populisten, deren Hauptgeschäftsmodell es ist, anderen grundlos Angst einzujagen und Hass zu verbreiten. Es fällt mir schwer, diese Menschen zu respektieren, weil sie genau das Gleiche tun, was Hitler und die NSDAP in den Dreißigern getan haben, und was uns in den Zweiten Weltkrieg, die größte Tragödie der Menschheit, geführt hat.
LE: Wurden Sie und das Team von Meeting Brno bereits bedroht?
Leider ja. Gewaltdrohungen gehen eindeutig zu weit.
LE: Was entgegnen Sie denjenigen, die sich durch den Sudetendeutschen Tag in Brünn bedroht fühlen?
Kommt und seht selbst. Hört euch an, was die Sudetendeutschen zu sagen haben, schaut was sie tun, fragt, wenn es Fragen gibt. Vielleicht werdet ihr nicht die besten Freunde, doch gibt es keinen Grund Angst vor einer Gruppe zu haben, die ihr nicht wenigstens einmal kennengelernt habt. Die Tschechen und die Deutschen verbindet immerhin eine mehr als 800-jährige Geschichte. Wir haben mehr gemeinsam als uns trennt.
LE: Sind die Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen heutzutage besser oder schlechter, verglichen mit dem Jahr 2015, in welchem die Brünner Versöhnungserklärung verabschiedet wurde?
Demonstranten von den Rändern des politischen Spektrums sind immer laut, aber nur weil eine Seite laut ist, heißt das nicht, dass sie automatisch in der Mehrheit oder im Recht ist. Wir registrieren heute lauteren Protest als 2015, doch ich bin mir sicher, dass die Mehrheit in der Gesellschaft den Sudetendeutschen Tag in Brünn unterstützt oder sich mindestens nicht daran stört – was auch absolut genug ist.
Das Gespräch führte Lennard Halfmann (am 27. April 2026)
Dieser beitrag erschien zuerst in der landesecho-ausgabe 5/2026
Das neue LandesEcho 5/2026 ist da!
In unserer Mai-Ausgabe begeben wir uns auf eine Reise in den Böhmerwald und erkunden die Gegend um das Goldbach-Tal. Diese und weitere Themen rund um Tschechien und die deutsche Minderheit finden Sie in unserer neuen Ausgabe.
Mehr…



