Tschechische Wirte kontrollieren seit Montag die 3G-Regelung. LandesEcho hat getestet, wie das läuft.

Eigentlich hat sich fast nichts geändert. Die Bestellung an der Theke läuft in der Suppenküche „Polévkárna“ in der Nähe des Tetschener Hauptbahnhofs zügig. Gerade um die Mittagszeit ist die Gaststätte sehr gut besucht. Vor allem Angestellte der umliegenden Firmen, des Museums und des Gebietsarchivs oder der Stadtverwaltung trifft man hier. Sie schwören auf die leckeren Suppen. Doch seit Montag ist zur üblichen Frage: „Sie wünschen bitte?“ noch eine hinzugekommen. Vor Bestellung und Bezahlung hakt die Frau hinterm Tresen nach: „Zeigen Sie mir bitte noch einen Nachweis, dass Sie geimpft, genesen oder getestet sind.“ Die CovPass-App im Handy ist schnell geöffnet und wird anstandslos akzeptiert. Tschechien hat zwar seine eigene App „Tečka“ (Punkt). „Aber die sieht auch nicht anders aus“, sagt die Wirtin.

Eine Sache von Sekunden

Die 3G-Prüfung dauert wenige Sekunden. In anderen Gaststätten wird der Nachweis abfotografiert, meist reicht aber ein Kontrollblick der Bedienung. In Tschechien heißt 3G übrigens O-N-T: für „Očkování-prodělaná Nemoc-Test“ (Impfung-Genesen-Test). Voraussetzung für den Besuch von Gaststätten ist die 3G-Regelung schon seit Mai. Nur war die Bedienung nicht verpflichtet, das auch zu kontrollieren. Kontrollen führten das Gesundheitsamt oder die Polizei durch. Das bedeutete, dass es sich nur um Stichprobenkontrollen handeln konnte. Seit die Zahl der Neuinfektionen in Tschechien sprunghaft ansteigt, hat die Regierung die Maßnahmen angezogen. Die Kontrolle der Nachweise seit 1. November durch das Personal in Restaurants ist dabei eine der wichtigsten Maßnahmen.

„Bei uns läuft das sehr glatt“, bestätigt František Dlask, Inhaber des Café Dlask im nordböhmischen Warnsdorf (Varnsdorf). „99 Prozent der Gäste zeigt ohne Kommentar einen Nachweis vor. Nur ganz vereinzelt macht mal jemand auf der Türschwelle kehrt und zieht theatralisch von dannen. Angeblich zur Konkurrenz“, sagt der für seine Windbeutel fast schon legendäre Konditor. Dlask kontrollierte sogar schon die gesamte letzte Woche. „Ich wollte testen, wie das läuft, wie die Gäste es annehmen und das Personal schulen“, sagt Dlask. Aber auch der Testlauf war unproblematisch. „Die Gäste zeigten mir die Nachweise, obwohl sie es gar nicht mussten“, war Dlask selbst überrascht.

Nachweisfreies Draußen-Bier

Auch im Bahnhofsrestaurant Tannenberg (Jedlová) wird konsequent kontrolliert. „Das läuft bis jetzt gut. Ein Herr musste sein Bier draußen trinken, alle anderen hatten Nachweise“, zeigt sich Bedienung Kristina zufrieden. Die Gäste wiederum zeigen ihren Nachweis bereitwillig, einige bedanken sich sogar.

Es gibt aber auch andere Fälle. Im Café Restaurant Franz Josef I. in Tetschen (Děčín) will niemand irgendwelche Nachweise sehen. Nicht repräsentativen Umfragen in tschechischen Medien zufolge betrifft das aber eine deutliche Minderheit. Es gibt auch welche, die zwar kontrollieren, aber im Notfall den Konflikt mit den Gästen ablehnen, sollte jemand keinen Nachweis haben. „Wir hatten jetzt anderthalb Jahre fast keine Umsätze und wollen keine Gäste vertreiben“, sagt Gabriela Schönbauerová von der Brauerei Monopol in Teplitz (Teplice).

Lieber Kontrolle als Lockdown

Für viele ist dieses Argument aber gerade ein Grund, zu kontrollieren. „Besser, als wenn wir schließen müssten“, denkt Radek Flachs, Inhaber des Restaurants Pošta in Tetschen, ungern an den Lockdown zurück. Nur ein sehr kleiner Teil der Betriebe lehnt die Kontrollpflicht öffentlich durch entsprechende Ankündigungen auf Web- oder Facebookseiten ab. Der Verband der Hotels und Gaststätten geht davon aus, dass ungeimpfte Gäste erst gar nicht in Gaststätten gehen.

Was für Gaststätten neu ist, kennen Hoteliers schon lange. Petr Kotyza von der Pension Jitřenka in Herrnskretschen (Hřensko) kontrolliert bereits seit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown im Frühjahr. „Das klappt problemlos, egal ob Gäste aus Tschechien oder dem Ausland“, sagt Kotyza. Dabei ist die übergroße Mehrheit geimpft. „Wer nicht geimpft ist, sieht eher von Reisen ab, ist meine Erfahrung“, vermutet Kotyza.

Kontrollen angekündigt

Das Gesundheitsamt hat gemeinsame Kontrollen mit der Polizei speziell in Gaststätten angekündigt. Gästen ohne Nachweis droht ein Bußgeld von bis zu 10.000 Kronen (400 Euro). Restaurantbetreiber wiederum müssen im Verwaltungsverfahren sogar bis zu 3 Millionen Kronen (120.000 Euro) Strafe fürchten. Ausgenommen von der Nachweispflicht sind Kinder bis 18 Jahre.

In ganz Tschechien wurden am Freitag 8.419 neue Covid-Fälle gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz stieg auf 458. Allerdings ist die Lage nicht überall dramatisch. In Nord- und Ostböhmen liegen die Werte deutlich darunter. Vor allem in Mähren, aber auch in Südböhmen liegen sie höher.

In Tschechien sind 57,2 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Das Interesse an Impfungen hat seit Mitte Oktober deutlich an Fahrt aufgenommen. Die Quote für Auffrischungsimpfungen liegt bei knapp 3 Prozent.

Tschechien kein Hochrisikogebiet

Wegen der gestiegenen Zahlen hatte es in den vergangenen Tagen Meldungen gegeben, dass das Robert-Koch-Institut eine Einstufung Tschechiens als Hochrisikogebiet ab Sonntag erwäge. Das hat sich aber nicht bestätigt. Damit ändert sich bei der Einreise nach Deutschland vorerst nichts. Die Kategorie des einfachen Risikogebiets ist im Sommer weggefallen, seitdem gilt eine generelle 3G-Nachweispflicht bei Einreisen aus dem Ausland. Es besteht jedoch keine Pflicht zur Quarantäne oder zur Anmeldung der Einreise.

Anders sieht es aus tschechischer Sicht aus: Seit Ende August ist Deutschland als Gebiet mit einem hohen Infektionsrisiko gelistet. Reisebeschränkungen bestehen allerdings nur für Ungeimpfte. Diese müssen bei der Einreise über einen negativen PCR-Test verfügen und zudem nach frühestens dem fünften Tag nach der Einreise einen zweiten PCR-Test absolvieren. Eine Quarantänepflicht besteht für Ungeimpfte nicht mehr, allerdings müssen diese bis zum Vorliegen des zweiten Testergebnisses an allen öffentlichen Orten eine FFP2-Maske tragen. Alle Reisenden sind verpflichtet, das Einreiseformular auszufüllen. Ausnahmen bestehen im kleinen Grenzverkehr sowie für Pendler zu Arbeit, Schule und Familie.