Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds setzt mit einem aktuellen Thema jedes Jahr einen inhaltlichen Schwerpunkt zur Förderung von Projekten im Kontext deutsch-tschechischer Beziehungen. Im nächsten Jahr sollen Projekte, die sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auseinandersetzen, gefördert werden.

Die Pandemie hat das Jahr 2020 fest im Griff. Geschlossene Grenzen und Kontaktbeschränkungen erschwerten besonders die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Im nächsten Jahr möchte der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unter dem Motto „Neue Zeiten? Neue Wege! Die deutsch-tschechischen Beziehungen in Zeiten der Pandemie“ zur kritischen Reflexion der Coronakrise und deren Auswirkungen auf die deutsch-tschechischen Beziehungen und Zusammenarbeit anregen.

Chancen in der Krise

Um trotz Beschränkungen den Austausch zwischen den beiden Ländern nicht abbrechen zu lassen, hat der Umgang mit der Pandemie viele kreative Lösungsansätze hervorgebracht. Gleichzeitig wurden auf beiden Seiten der Grenze Fragen aufgeworfen: Wie erleben die Menschen in Deutschland und Tschechien diese angespannte Zeit? Wie kann deutsch-tschechische Begegnung in solchen ungewöhnlichen Zeiten funktionieren? Jede Krise birgt auch die Chance, an Herausforderungen zu wachsen und positive Impulse für die Zukunft abzuleiten. Mit der Unterstützung von Projektvorhaben, die sich diesem Diskurs widmen, soll dazu angeregt werden, gemeinsam darüber nachzudenken, welche Chancen in der Krise für die bilateralen Beziehungen der beiden Länder liegen.

Gefördert werden Online-und Offline-Projekte, die sich inhaltlich mit den gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen der Pandemie auf die Beziehung der beiden Länder auseinandersetzen und neue Formen der Begegnungen erproben. Diese werden mit bis zu 70 Prozent Kostenübernahme gefördert. Weitere Informationen zur Beantragung der Förderung finden Sie hier.

Thema des Jahres 2020 geht in die Verlängerung

Der Verwaltungsrat des Fonds beschloss erst kürzlich auf seiner vierteljährlichen Sitzung, das Jahresthema 2020 „Die Zukunft ist jetzt. Gemeinsam nachhaltig handeln“ um ein Jahr zu verlängern und bewilligte ein Gesamtfördervolumen in Höhe von knapp 1,06 Millionen Euro, das in die Unterstützung von 103 Projekten fließen wird. Knapp ein Drittel der geförderten Projekte stammen aus dem Bereich der Denkmalpflege. Die Förderung durch den Fonds trägt unter anderem dazu bei, längerfristige Renovierungen abzuschließen und so neue deutsch-tschechische Begegnungsorte entstehen zu lassen. „Wenn Tschechen und Deutsche in gemeinsamer Anstrengung verfallene Kulturdenkmäler instandsetzen, dann geht es dabei nicht nur um den materiellen Erhalt unseres gemeinsamen Kulturerbes. Es spiegelt sich darin vielmehr auch das Bewusstsein für gemeinsame kulturelle, geistige und moralische Werte. Wir täten gut daran, uns von ihnen auch bei der Bewältigung aktueller Krisen leiten zu lassen“, betonen die beiden Verwaltungsratsvorsitzenden Jindřich Fryč und Martin Kastler.

Thematische Vielfalt

Dabei ist die Auswahl der geförderten Projekte thematisch so vielfältig wie die deutsch-tschechischen Beziehungen selbst. Darunter ist das Digitalprojekt „OnlineChallenge“, das in diesem Jahr vom Verein „Prostor pro rozvoj“ („Raum für Entwicklung“) ins Leben gerufen wurde und sich der Jugend-und Bildungsarbeit widmet. Auch das Centrum Bavaria Bohemia möchte mit seinem Projekt „Zukunft Nachbarschaft 2021“ durch den Ausbau von Öffentlichkeitsarbeit gezielt jüngere Menschen ansprechen und mit ihnen in Austausch treten. Gefördert werden auch Projekte aus dem künstlerischen Bereich, beispielsweise die Ausstellung „TOYEN“, eine Kooperation der Hamburger Kunsthalle mit der Prager Nationalgalerie. Mit der Unterstützung des Zeitzeugenprojekts „Lipno - ein Spiegel der Geschichte des 20. Jahrhunderts“ investiert der Zukunftsfonds in die Aufarbeitung der historischen Umwälzungen in der Lipno-Region zwischen 1939 und 1989. Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts des Vereins Post Bellum und der Ackermann-Gemeinde soll ein zweisprachiger Film sowie eine Ausstellung entstehen.

Neben diesen erhalten viele weitere Projekte auch im nächsten Jahr finanzielle Unterstützung durch den Deutsch-Tschechien Zukunftsfonds.

Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds wurde in Folge der Deutsch-Tschechischen Erklärung vom 21. Januar 1997 als Gemeinschaftsprojekt der beiden Länder ins Leben gerufen. Die Tätigkeit des Stiftungsfonds mit Sitz in Prag war zunächst auf zehn Jahre begrenzt. Nach Ablauf der zehn Jahre entschloss man sich, für weitere zehn Jahre in das gute Nachbarschaftsverhältnis zu investieren. Auch im Jahre 2017 einigten sich die Regierungschefs beider Länder darauf, anlässlich des 20. Jahrestages der Deutsch-Tschechischen Erklärung die Projektförderung um weitere zehn Jahre bis 2027 zu verlängern. Gefördert werden Bildungs-und Kulturprojekte, Dialogforen und Fachaustausch, Publikationen, die Renovierung von Baudenkmälern, Sozialprojekte sowie Gemeindepartnerschaften und Stipendien. Durch die gezielte Förderung von Projekten werden Begegnungsräume für Menschen auf beiden Seiten der Grenze geschaffen. Die Zusammenarbeit trägt darüber hinaus zu einem tieferen Verständnis der jeweils anderen Lebenswelten sowie einem interkulturellen Austausch bei. Seit 1998 wurden bis heute rund 11.000 Projekte mit über 60 Millionen Euro gefördert.