Wer ist die deutsche Minderheit in Tschechien und wo trifft sie sich? In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen das Begegnungszentrum (BGZ) in Troppau (Opava) vor.

Nahe der polnischen Grenze liegt die schlesische Metropole Troppau (Opava). Die heutige Statutarstadt wechselte im Laufe der Geschichte oft ihre Besitzer, war sie doch als wichtiges Handelszentrum ein begehrtes Schmuckstück. Ihre Ursprünge gehen auf das späte 12. Jahrhundert zurück, als deutsche Einwanderer auf Einladung des Piastenherzogs Heinrich I. eine Siedlung gründeten. Die Gemeinde gewann durch ihre günstige Lage und das aufblühende Handwerk schnell an Bedeutung und erhielt 1224 das Stadtrecht.

Neben Händlern und Handwerkern war die Stadt bereits damals ein religiöses Zentrum und beherbergte neben den Orden der Johanniter, Franziskaner und Dominikaner auch die Deutschritter. Eine Feste fehlte allerdings, sodass einfallende Mongolen die Stadt 1241 verwüsteten. Danach bemühte man sich um die rasche Erneuerung der Stadt und schon 1269 wurde das Herzogtum Troppau gegründet. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Troppau mehrfach von Adelshäusern erworben, getauscht und anderen Herren überlassen. Erst mit der Übernahme des Herzogtums durch die Habsburger im Jahr 1526 kehrte etwas Ruhe in die Besitzverhältnisse ein. Auch nach der Niederlage im Siebenjährigen Krieg im 18. Jahrhundert verblieb Troppau mit dem Teschener Land bei den Ländern der Böhmischen Krone. Als wichtiges Handelszentrum wurde Troppau schon 1847 an das Streckennetz der Kaiser Ferdinands-Nordbahn angeschlossen. Die industrielle Entwicklung ließ die Stadt wachsen und die Nähe zu Preußen steigerte ihre Bedeutung als Handels-, Industrie- und Verkehrsknoten. Die Umwälzungen und Kriege des 20. Jahrhunderts führten zur Vertreibung eines Großteils der deutschen Bevölkerung.

Ein Ort für die Deutschen

Die hier verbliebenen Deutschen gründeten 1991 mit eigenen Kräften ihr erstes Begegnungszentrum, das seinen Mitgliedern und allen Interessierten viele Veranstaltungen und Raum für Treffen bietet. Geleitet wird das BGZ seit 2014 von Hans Korbel (geb. 1941), der auch dem Präsidium der Landesversammlung der deutschen Vereine angehört. „Ursprünglich war es so gedacht, dass sich die Deutschen hier treffen können, weil sie keinen Ort hatten, wo sie sich auf Deutsch unterhalten und singen konnten. Das war der ursprüngliche Sinn des BGZ. Während der etwa 30 Jahre, in denen es bereits existiert, konnten wir aber auch viele neue Mitglieder gewinnen“, sagt Korbel.

Hans Korbel leitete das BGZ von 1991 bis 2005 und erneut seit 2014. Foto: LE

Hans Korbel leitete das BGZ von 1991 bis 2005 und erneut seit 2014. Foto: LE

Im Begegnungszentrum finden regelmäßige Veranstaltungen wie das Singen deutscher Lieder und Deutschkurse für Jugendliche und Erwachsene, aber auch unregelmäßige Veranstaltung wie Vorträge, Jugendtreffen und der Empfang von Besuchern aus Deutschland und anderen Vereinen statt. Im Zentrum befindet sich außerdem das Büro des Schlesisch-Deutschen Vereins.

„Die jüngere Generation ist viel offener“

Von Anfang an dabei ist auch Gunhilda Klimešová (geb. 1939). „1990 ist meine Mutti gestorben und die hat mit uns immer Deutsch gesprochen. Dann habe ich gesagt, dass wir wieder jemanden brauchen, mit dem wir Deutsch sprechen können. Wir haben dann einen Aufruf gemacht und unseren Verein gegründet“, erinnert sich Klimešová zurück. Sie erzählt, dass die Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen in der Stadt anfangs nicht gut gewesen seien. „Aber jetzt akzeptieren die Leute, dass da Deutsche sind. Sie sind nicht unsere Feinde und wir schicken auch Einladungen zu unseren Veranstaltungen an die Stadt. Vor allem die jüngere Generation ist viel offener“, so Klimešová. Der Schlesisch-Deutsche Verein gibt außerdem regelmäßig ein Mitteilungsblatt heraus: Die „Troppauer Nachrichten“.

Von Anfang an dabei: Gunhilda Klimešová. Foto: LE

Von Anfang an dabei: Gunhilda Klimešová. Foto: LE


 Neugierig geworden? Mehr über das BGZ und die deutsche Minderheit in Troppau erfahren Sie in der Broschüre „Begegnungen. Die deutsche Minderheit in Tschechien“, erhältlich in den BGZ oder zum kostenlosen Download auf der Webseite der Landesversammlung: www.landesversammlung.cz