Seit Anfang Februar ist der TV-Film „Gerta Schnirch“ auf HBO Max verfügbar. Er erzählt die bewegende Geschichte einer jungen Frau, deren Leben von Krieg, Vertreibung und Schuld geprägt ist.
Das zweiteilige tschechische Historiendrama Gerta Schnirch ist seit dem 4. Februar auf HBO Max verfügbar. Der Fernsehfilm bringt das Werk, das bisher vor allem in Tschechien als Roman bekannt war, einem internationalen Publikum in Mittel- und Osteuropa und der Adria-Region näher. Auch in Deutschland ist der Film, der vorab im Tschechischen Fernsehen zu sehen war, nun zum Streamen verfügbar.
Worum geht es in „Gerta Schnirch“?
Der Fernsehfilm basiert auf dem preisgekrönten Roman Gerta. Das deutsche Mädchen (tsch.: Vyhnání Gerty Schnirch) der tschechischen Autorin Kateřina Tučková. Sie erzählt die Geschichte der jungen Frau Gerta und begleitet sie durch Krieg, Vertreibung und das Leben unter dem kommunistischen Regime. Dabei stehen nicht nur historische Ereignisse im Fokus, sondern vor allem ihre persönlichen Erfahrungen mit Heimat, Identität und den langanhaltenden Folgen traumatischer Erlebnisse, die auch die nächste Generation prägen.
Gerta wächst in einer deutsch-tschechischen Familie im mährischen Brünn (Brno) auf. Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten zerbricht ihre Familie: Ihre Mutter stirbt, ihr Vater missbraucht und schwängert sie. Nach dem Ende des Krieges wird Gerta, wie viele andere Deutschstämmige, als Staatsfeindin betrachtet. In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1945 wird sie mit ihrer Tochter beim sogenannten Brünner Todesmarsch vertrieben, ein zentrales Ereignis der Serie. Bei dem Marsch wurden zehntausende Deutsche, vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen, in Richtung der österreichischen Grenze getrieben. Viele starben an Hunger, Erschöpfung oder Krankheiten. In Pohrlitz (Pohořelice) überlebt Gerta nur knapp dank Zwangsarbeit. Als stigmatisierte Deutsche lebte sie später mit ihrer Tochter am Rande der Gesellschaft in der kommunistischen Tschechoslowakei.
Mehr als ein Historienfilm
Der Fernsehfilm wurde überwiegend in der Tschechischen Republik an authentischen Schauplätzen gedreht, um die Atmosphäre des Kriegs- und Nachkriegs-Mährens realistisch zu vermitteln. Die Produzenten betonen, dass gerade die echten Orte entscheidend dazu beitragen, die Lebenswirklichkeit und Stimmung dieser Zeit spürbar zu machen. Für die historische Genauigkeit arbeiteten die Filmemacher eng mit Historikern zusammen und nutzten umfangreiches Archivmaterial. Gleichzeitig bleibt die Erzählung sehr persönlich, sodass die Zuschauer die Geschichte nicht nur als historischen Rückblick, sondern aus der Perspektive der Menschen erleben, die sie durchlebt haben. Produziert wurde das Projekt vom Tschechischen Fernsehen (Česká televize), der Produktionsfirma Negativ, HBO und Arte.
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