Heute ist Beethovens 250. Geburtstag. Der große Komponist weilte natürlich auch gerne in Prag. Zum Beispiel in dem großen Haus in der Lázeňská 285/13 auf der Kleinseite. Fast in Vergessenheit geraten ist deswegen der ursprüngliche Name des Gebäudes: Haus zum weißen und goldenen Einhorn (dům U bílého a zlatého jednorožce).

Denn heute ziert den Sturz des Nebeneingangs der Name „Pálac Beethoven“, zu Deutsch: Beethoven-Palais. Die Einhörner haben ausgedient. Geht man um die Ecke zum Haupteingang, prangt einem schon eine große Plakette mit einer Büste des großen Bonner Komponisten entgegen. Sie wurde im März 1927 anlässlich seines 100. Todestages eingeweiht und ist das Werk des damals überaus bekannten akademischen Bildhauers Otakar Španiel.

Der Bildhauer stellte ihn mit dem für Beethoven-Portraits üblichen grimmigen Gesicht dar (siehe großes Bild oben), das der Komponist stets an den Tag legte, wenn er entweder irgendwo einen Groschen verloren hatte, man ihn für einen Hund oder gar für einen großen Rock 'n' Roller hielt. Kurz: Er fand immer wieder Gründe, sauer zu sein.

Die tschechische Inschrift unter der Portraitbüste lautet ins Deutsche übersetzt schlicht und einfach: „Hier im Gasthof zum Goldenen Einhorn lebte im Februar 1796 der berühmte Musikkomponist Ludwig van Beethoven.“ Aus schwerer Bronze wurde die Plakette hergestellt. Foto: Detmar Doering

Die tschechische Inschrift unter der Portraitbüste lautet ins Deutsche übersetzt schlicht und einfach: „Hier im Gasthof zum Goldenen Einhorn lebte im Februar 1796 der berühmte Musikkomponist Ludwig van Beethoven.“ Aus schwerer Bronze wurde die Plakette hergestellt. Foto: Detmar Doering

Und tatsächlich hatte sich Beethoven, wie die Inschrift auf der Plakette besagt, im Februar 1796 einige Zeit in der Stadt aufgehalten. In Prag lebte schließlich einer seiner großen Mäzene und Förderer, Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz, in dessen Palais (heute die deutsche Botschaft) er oft vorspielte. Und das Gebäude, in dem er sich an eben jenem Februar 1796 aufhielt, war damals ein Gasthaus oder Hotel. Auch Mozart hatte 1789 hier übernachtet, aber der wird in Prag andernorts so intensiv geehrt, dass man vielleicht deshalb keine Plakette zu seinen Ehren anbrachte.

Womit wir bei dem Gebäude sind: Das steht auf der Stelle zweier älterer Gebäude, die zusammengelegt worden waren, und sich ursprünglich auf dem Areal eines aufgelassenen Kirchhofs befanden. In seiner heutigen Form mit der schmuckvollen einheitlichen Barockfassade entstand das zweistöckige Haus, das später mit einem Mansardendach versehen wurde, in den Jahren 1731 bis 1759. Das spätbarocke Gebäude, das heute Büros und Wohnungen in sich birgt, befindet sich direkt neben der Kirche St. Maria unter der Kette (Kostel Panny Marie pod řetězem), die zum Malteserpalast gehört. Der Hotelbetrieb wurde wohl schon Anfang des 19. Jahrhunderts eingestellt, sodass heute niemand mehr in dem Zimmer schlafen kann, in dem Beethoven einst nächtigte.

Beethoven übernachtete einst in dem Haus in der Lázeňská 285/13 auf der Prager Kleinseite. Foto: Detmar Doering

Beethoven übernachtete einst in dem Haus in der Lázeňská 285/13 auf der Prager Kleinseite. Foto: Detmar Doering


Ahoj aus PragAhoj aus Prag! Seit September 2016 leben wir berufsbedingt in Prag. Wir – eigentlich Rheinländer – haben sie schon voll in unser Herz geschlossen, diese Stadt! Deshalb dieser Blog, in dem wir Fotos und Kurzberichte über das posten, was diese Stadt so zu bieten hat und was wir so erleben. Wir, das sind:

Lieselotte Stockhausen-Doering und Detmar Doering

… und unser Hund Lady Edith! Wer sich in Prag einmal umschauen möchte, wird auf diesem Blog nach einiger Zeit sicher Interessantes finden, was nicht jeder zu sehen bekommt, der die Stadt besucht. Viel Spaß beim Lesen!