Aktuelle Seite: StartseiteMeinungTschechien: Kritik aus Ost und West - Prags Außenpolitik driftet massiv gen Moskau

Anzeige

Wirtschaftsuniversität Prag VŠE

Erdrutschsieg und Abgestrafte

Grafik: Ergebnisse der Parlamentswahl

Dass Andrej Babiš die tschechische Parlamentswahl gewinnt, war den Propheten an der Moldau lange klar. Dass es ein derartiger Erdrutschsieg mit fast 20 Prozent Vorsprung wird, kam aber doch überraschend. Dazu die massiven Gewinne der rechtsextremen Ausländerfeinde sowie der Piraten und teilweise schwerste Schlappen der etablierten Parteien - Tschechien steht Kopf.

Dass die Altparteien, namentlich die bisher regierenden Sozialdemokraten, so erbarmungslos abgestraft wurden, liegt an deren uneingelöstem Versprechen aus der „Wendezeit“, dass es den Tschechen schnell so gut gehen werde wie den Nachbarn in Deutschland. Tschechien geht es zwar so gut wie nie, aber die Deutschen sind immer noch weit voraus. Es gibt zudem genug Verlierer der Globalisierung, schlecht bezahlte Arbeitskräfte, Rentnerarmut, zu geringe Möglichkeiten, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Wenn einer das endlich ändern kann, dann Babiš, sind seine Wähler zutiefst überzeugt. Die Altparteien hätten ihre Chance gehabt und nicht genutzt.

Babiš ist kein unausrechenbarer, polternder „tschechischer Trump“, wie gern geschrieben wird. Er ist ein pragmatischer, klug kalkulierender, knallharter Unternehmer, Dollar-Milliardär und Medienmogul, der die Macht seiner Zeitungen geschickt einzusetzen weiß. Babiš ist wegen seines Erfolgs und seines Selbstbewusstseins gewählt worden. Und dem Versprechen, dass er den Staat ebenso erfolgreich führen werde wie sein Firmenimperium. Dass Babiš seinen Erfolg auch mal auf unlautere Weise erzielt, kümmert da kaum. ‚Wer versucht nicht, auch mal zu tricksen, seine Bilanzen zu „optimieren“?‘, fragte Babiš, als er der Steuerhinterziehung geziehen wurde.

Babiš will sein Selbstbewusstsein künftig auch in der EU demonstrieren. Bislang war Prag dort kaum vernehmbar. Babiš will beispielsweise einen noch härteren Flüchtlingskurs fahren, nicht nur mit den anderen Visegrád-Ländern, sondern auch etwa mit Österreichs Sebastian Kurz und den Balkanländern. In dieser Frage weiß er nicht nur seine Wähler, sondern quasi ganz Tschechien hinter sich. Für Angela Merkel werden Besuche in ihrem früher so geliebten Prag wohl künftig noch unangenehmer.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

Wieslaw Brudzinski: „An ihren verbotenen Früchten werdet ihr sie erkennen.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.