In der Coronakrise erfuhr die Branche Unterstützung durch Spenden, doch die Zukunft ist unsicher.

Seit Mitte März ist das Kulturleben in Tschechien lahmgelegt, was viele Institutionen, aber auch einzelne Künstler, hart getroffen hat. Einige haben sich aus dem Kulturbereich (vorübergehend) zurückgezogen, um sich in einem völlig anderen Beruf als Kurier oder Verkäuferin ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Viele nähten und verteilten Mundschutz oder traten gratis in den Innenhöfen und Straßen auf, um ihre Mitmenschen aufzuheitern. Andere setzten auf Live-Auftritte im Netz. Denn Kultur spielte sich vorwiegend in Wohnzimmern ab, wo man am Computer oder im Fernsehen Filme, Konzerte oder Theaterinszenierungen verfolgte.

So sendeten die Zuschauer den Künstlern ein Signal, dass die Kultur für sie vielleicht noch wichtiger ist als sonst. Gleichzeitig war es möglich, die Künstler aus ihrer Isolation herauszubringen und sie finanziell zu unterstützen. Beispielsweise mit dem Projekt Eintrittskarte für nichts 2020 (Vstupenka na nic 2020), die die Prager Stadträte ins Leben riefen. Schon für 20 Kronen für einen Stehplatz bis 5000 Kronen für einen VIP-Platz (0,74 bis 185 Euro) kann man über das Kulturportal GoOut eine Eintrittskarte für eine nicht existierende Kulturveranstaltung in ganz Tschechien erwerben. Man konnte aber auch auf Geldrückgabe einer bereits gekauften Karte verzichten, um den Erlös einer Kulturinstitution oder einem bestimmten Künstler zu überlassen.Skopové na porážku („Hammelschlachtefl eisch“ nach Roald Dahl) - Foto: Th eater Viola/Viktor Kronbauer

Buchbranche in Geldsorgen

Eine besonders erfolgreiche Aktion wurde die Initiative Hotline 451 alias Rettet die Bücher (Linka 451 aneb Zachraňte knížky). Sie bezog sich auf Buchpakete mit hochwertigem Lesestoff, die direkt von Verlegern angeboten wurden. Am Ende beteiligten sich mehr als 3000 Leser und die Hilfsaktion brachte mehr als drei Millionen Kronen ein (etwa 111 400 Euro). Doch war es trotzdem nur eine kleinere Finanzspritze. Für die Verleger geht der Kampf um ihre Existenz gerade erst los.

Die tschechische Regierung spannte nun einen Rettungsschirm für die Literatur in Höhe von 20 Millionen Kronen auf (741 000 Euro). Dieser ist Teil eines Hilfspakets zur Unterstützung der tschechischen Kultur in Höhe von 1,07 Milliarden Kronen (knapp 40 Millionen Euro). Kleine Verlage können Hilfen beantragen, egal ob sie bisher schon Fördermittel erhalten haben. Diese Regel gilt jedoch nicht für die Theater-, Film- und Musikbranche. Dort bekommt Hilfe nur, wer während der letzten drei Jahre bereits finanziell unterstützt wurde.

Der Verband der tschechischen Buchhändler und Verleger (Svaz českých knihkupců a nakladatelů) zählt 2058 aktive Verleger. Wenn nur 100 von ihnen Hilfe anfordern würden, würde jedes Verlagshaus etwa 200 000 Kronen (etwa 7400 Euro) erhalten. Die Verluste auf dem Buchmarkt sind jedoch viel größer. Der Brünner Verlag Host schätzt sie auf sieben Millionen Kronen (259 000 Euro). Den größeren Verlegern empfiehlt das Kulturministerium die Aufnahme eines zinslosen Kredits vom Staat.

Krise in der Bildenden Kunst

Eine ähnliche Unsicherheit überschattet Museen und Galerien, die ihre Pforten erst am 11. Mai wieder öffnen. Die Direktorin des Egon-Schiele-Art-Centrums in Böhmisch Krummau (Český Krumlov), Hana Jirmusová-Lazarowitz, sorgt sich um die Zukunft: „Wenn das Leben in seine gewohnte Bahn zurückkehrt, werden wir es schaffen. Aber werden die Menschen wieder Lust haben, Ausstellungen anzusehen und dafür sogar Eintritt zu bezahlen?“ Welche Unterstützung würde sie sich wünschen? „Auf jeden Fall eine Zahlung der Löhne für unserer Mitarbeiter, sowie den Erlass von Steuern. Auch eine Senkung der Energiekosten durch die Energieerzeuger würde helfen“, fügt Jirmusová-Lazarowitz hinzu.

Das Theater lebt

Auf Hilfe vom Staat für gemeinnützige Institutionen, zu denen auch die Prager Bühne Viola gehört, hofft deren Direktor Robert Tamchyna. Dieses populäre, bisher stets ausverkaufte Kleintheater, das seit Anbeginn mit bekannten tschechischen Schauspielerinnen und Schauspielern verbunden ist, bleibt bis zur voraussichtlichen Eröffnung am 11. Mai geschlossen. Trotzdem verliert das Viola den Kontakt zu seinem Publikum nicht: „Wir können nicht mit ausgestreckter Hand warten. Wir lassen von uns hören, wir übertragen regelmäßig Live-Streams mit unseren Künstlern im Rahmen des Programms „Kultur lebt“ (Kultura žije) auf mall.tv. Unsere Zuschauer können virtuelle Eintrittskarten erwerben und sie unterstützen uns auch durch Spenden. Wir verhandeln mit dem Prager Magistrat über eine Änderung der Bedingungen für den Erhalt von Zuschüssen. Bisher muss der Zuschussnehmer gemeinnützig sein und darf keine Reserven bilden. Ich weiß aber nicht, wie alle gemeinnützigen Organisationen überleben werden, wenn sie nicht einige (buchhalterisch unsichtbare) Reserven gehabt hätten“, sagt Tamchyna.