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Im wilden Sudetistan - Das haben wir nun davon

Illustration: Sudetistanisches Industrieidyll - Bild: Jiří Bernard

Die Situation nach den jüngsten Regionalwahlen gleicht einem unerträglichen Kater nach einer guten Party. Nur, dass diese Party auf keinen Fall gut war.

Regionalpolitik, das gleicht einer Heirat mit einer nicht besonders ansehnlichen Braut, die aber über eine große Mitgift verfügt. Ihr den Hof zu machen ist daher gar nicht einfach. Einige haben versucht, sich über die Anti-Flüchtlingskarte Zutritt zum Fest zu verschaff en. Den meisten ist das aber nicht gelungen. Bis auf Tomio Okamura und seinem Bündnis mit den ehemaligen Zemanisten. Insgesamt haben sie republikweit um die 30 Mandate errungen. Schade nur, dass keiner mit ihnen in einer Koalition tanzen will und ihnen so nichts anderes übrig bleiben wird, als von den Oppositionsbänken zu spucken und auf Facebook darüber zu berichten, wie sie auf einer Ratssitzung außer der Optimalisierung von Buslinien und dem Einkauf eines neuen Röntgengeräts auch gleich ein Verbot des Islam vorgeschlagen haben. Ok, das ist ein Witz, aber ich bin davon überzeugt, dass sie dessen sogar fähig wären.

Neu gemischt wurden dafür die Karten der regionalen Hegemonen. In den Wahlen 2008 erhielten die Sozialdemokraten der ČSSD über eine Million Stimmen und nichts stand ihnen im Weg. In den Wahlen darauf im Jahre 2012, bekamen sie schon weniger. Aber auch so schafften sie es, sich ihre regionalen Koalitionen, oft mithilfe der Kommunisten, zusammenzuflicken. Und jetzt? Jetzt hat die ČSSD keine Wahl mehr, denn sie wurde von einer riesigen Welle namens ANO einfach weggespült. In manchen Kreisen versuchen sie die Sieger der ANO einfach zu umgehen. Sogar mit Erfolg! Da können die ANO-Politiker noch so schnauben vor Wut. In der tschechischen Politik bekommt der Sieger eben nicht alles. Überhaupt gilt nicht unbedingt der hier als Sieger, der die meisten aStimmen erringt, sondern der, der sich abzusprechen weiß.

Und das konservative Lager? Dem ging es schon besser. Die Bürgerdemokraten der ODS haben gegenüber den letzten Wahlen leicht verloren. Ihr Fall könnte aber noch um einiges tiefer sein. Und die TOP 09? Wie es scheint, gibt der Wähler nicht allzu viel auf ihre pro-europäischen und anti-Babiš Rufe. Es ist schon bezeichnend für diese Wahlen, dass die TOP 09 zwar ein großes Potential bei den jüngeren Wählern genießt, diese aber nicht zum Urnengang motivieren kann. Wählen würden sie vielleicht gehen, wenn die Urne daheim vor der Couch stehen würde. Falls sich in der TOP 09 nicht schnell etwas tut, dann werden ihre Stimmen, die in Bezug auf Flüchtlinge, der EU und auch zur Vertreibung recht vernünftig sind, bald nur noch außerhalb der parlamentarischen Politik zu hören sein.

Aber lassen Sie uns zum Abschluss noch einen Blick auf Sudetistan werfen, auch bekannt unter der Bezeichnung Kreis Aussig. Dort endet die achtjährige Herrschaft der Sozialdemokraten. Die der Kommunisten, seit vier Jahren zusammenmit ihnen am Ruder, geht weiter. Die haben sich nämlich mit ANO abgesprochen. Und der ČSSD, genauso wie uns Sudetistanern, die weder ANO noch Kommunisten gewählt haben, bleiben die Augen nur noch zum Weinen.

Sie fragen sich jetzt, warum das so ausgegangen ist? Ganz einfach: Weil wir Idioten sind. Im Kreis Aussig versuchten vier Parteien beziehungsweise Wahlbündnisse, die sich gegenseitig konkurriert haben, die gleiche Wählergruppe anzusprechen: Neben der TOP 09 waren das die Grünen/Piraten, das Bürgermeister-Bündnis und die Initiative Wir sind für den Kreis. Sie hatten ein ähnliches Wahlprogramm, das darauf zielte, aus dem Kreis Aussig eine moderne und prosperierende Region zu machen, die nicht nur davon abhängen würde, Kohle aus der Erde zu graben. Keiner von ihnen hat es über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft.

Kennen Sie die Geschichte, in der der Vater seinen Söhnen erzählt, sie müssten zusammenhalten wie die Zweige einer Rute? Wenn sie zusammengeflochten sind, kann sie keiner brechen. Einzeln schon. Und genauso fühlen wir uns jetzt. Na ja, das haben wir nun davon.

Dominik Feri (20) ist Jurastudent, nordböhmischer Patriot und sitzt im Stadtrat von Teplice (Teplitz-Schönau). In den Regionalwahlen kandidierte er im Kreis Aussig auf dem letzten Listenplatz der TOP 09 und erhielt die meisten Präferenzstimmen im Kreis. Seine Kolumne finden Sie exklusiv im LandesEcho und auf landesecho.cz.

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