Sie haben es vielleicht schon gehört: Das Bildungs- und Sozialwerk (BUSOW) organisiert nicht mehr die beliebten Kuraufenthalte. Die gemeinnützige Gesellschaft „Bohemia Troppau“ hat diese übernommen. Denn das BUSOW wurde im November 2018 geschlossen. Damit geht ein Stück der jüngsten Geschichte der Deutschen Minderheit in Tschechien zu Ende. Warum?

Soziale Ader der Minderheit

Gegründet 1995, verwaltete das BUSOW dreizehn Jahre lang soziale und kulturelle Projekte der Deutschen Minderheit in Tschechien. Damals entstanden neben der Vereinsstruktur drei gemeinnützige Gesellschaften: die Schule der Deutsch-Tschechischen Verständigung in Prag, die „Bohemia“ Stiftung für Wirtschaftsförderung und eben BUSOW. Das Prinzip lautete: Vereine machen Vereinsarbeit, spezielle Institutionen mit Fachkräften machen spezialisierte Facharbeit.

Das BUSOW organisierte Sommerlager, zeichnete auch für die jährliche Großveranstaltung und weitere Events sowie Sozialstationen für Krankenhäuser verantwortlich. Der jährliche Umsatz schwankte zwischen 2,4 und vier Millionen Tschechische Kronen, umgerechnet bis zu 150.000 Euro. Das meiste davon für den Transfer.

Das BUSOW hatte nie genug Geld: Leiter Walter Piverka Junior und später Petr Krohe engagierten sich stets nahezu ehrenamtlich. Mit dem Ergebnis, dass Verwaltung sowie Kommunikation mit dem zuständigen Bezirksgericht in Reichenberg (Liberec) oder der Bank nicht funktionierten. 2007 habe ich diese Arbeit übernommen, führte Eigenleistungen der Mitglieder ein und erweiterte die Tätigkeit des Werks. Aber: Dafür erhielt ich nie mehr als umgerechnet 225 Euro netto im Monat bekommen. Ich musste weitere Jobs ausüben, um auch selbst über die Runden zu kommen.

Blick nach vorn

Die „Kuraufenthalte“ sind für vor dem 01. Januar 1946 Geborene. Das Projekt wird also früher oder später auslaufen. Unter dem Dach der „Bohemia Troppau“ kann es noch fortgeführt werden. Nun müssen aber auch zukunftsträchtige Projekte her: In Deutschkursen und Veranstaltungen mit der Schlesischen Universität vor Ort ist uns das gelungen. Bei deutsch-tschechischer Kulturpflege, zweisprachigen Kindergärten, Jugendaustausch herrscht oft harter Wettbewerb.

Aber wir müssen die kommende Generation begeistern. Nationale Minderheiten haben es in der modernen, urbanen tschechischen Gesellschaft ohne Trachten, Volkslieder und ländliche Bräuche schwer. Man tut sich schwer mit der eigenen Präsentation in der Öffentlichkeit. Es bedarf viel Kleinarbeit vor Ort sowie mutiges Auftreten nach außen. Die Politik ist uns nicht feindlich gesinnt, sie weiß nur nichts von uns. Politiker sind oft überrascht, dass es die Minderheiten überhaupt noch gibt.


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